Tropfkanten, unscheinbarer aber
wirksamer Wetterschutz am Bauwerk
Mit einer glatten Regenjacke bei Landregen unterwegs, versteht
ein jeder anhand seiner nassen Hose den Sinn einer Tropfkante.
Wäre da eine Tropfkante, meine Hose hätte die Zuversicht,
trocken zu bleiben...
Das Problem des von der Wetterjacke ungehindert auf die Hose
tropfenden Regenwassers scheint jedoch den Schöpfern der
Modewelt verborgen zu bleiben.
Nicht wenige Architekten möchten Dachüberstände
und störende Fassadenkanten der schlichten Linie wegen "glatt
hobeln". Sie sind der eleganten Schlichtheit abträglich und
stören daher.
Aus Schlichtheit wird die Eleganz abgeleitet. Leider währt
sie am Bauwerk nur kurz und ist schneller zerronnen, als
gewonnen.
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zeitgenössisch glattes Bauwerk (aufgenommen zum Zeitpunkt
der Baufertigstellung)
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Erich Mendelsohn, der Einsteinturm in Potsdam, nur geringe
Betonschäden unter Überständen
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Denn fehlende Auskragungen, Dachüberstände und
Tropfkanten rächen sich später mit Feuchteschäden,
Dauerreparaturen und hohen Instandhaltungskosten.
Dem Himmel gar zustrebende Gläubige hoben am Ende alle
Grundsätze des konstruktiven baulichen Wetterschutzes an Ihren
Bauwerken auf, wodurch deren spätere Eigentümer vor der
Aufgabe einer fortwährenden "Dauerinstandsetzung" gestellt
wurden. Beispielsweise der an sich "funktionale" Einsteinturm in
Potsdam musste fast im 10-Jahresrythmus instandgesetzt werden und
verschlang daher etliche Millionen (allerdings
Steuergelder...).
Tropfkanten sollen anfallendes Niederschlagswasser so
führen, dass das Wasser im Idealfall, ohne die Baukonstruktion
zu benässen, abtropfen kann. Tropfkanten sind danach an allen
in die senkrechte Fassade waagerecht einbindenden vorstehenden
Bauteilen nötig.
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keine Tropfkante, keine regensicheren Ecken, hier sehen sie die Folgen. Foto: Rüpke
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Wasser von hoch oben prallt unten auf. Tropfwasser wandelt sich
zu Spritzwasser. Foto: Rüpke
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Eine wichtige und für jeden ins Auge fallende Tropfkante
ist die an der Fensterbank und an der Abdeckung auf der Mauerkrone.
Diese sind meistens aus Zinkblech oder Aluminium, aber auch aus
anderen dichten Stein- oder Werksteinmaterialien bzw. aus Beton
gefertigt. Mit einem ausreichenden Überstand und mit
unterseitiger Abkantung oder Nuteinlassung lassen sie Wasser im
freien Fall vor der Fassade oder dem aufgehenden Bauteil
abtropfen.
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Tropfkanten sind in Verbindnung mit einem Klebedach eine
gestalterisch interessante Form, Regenwasser abzuleiten und dabei
die Spritzwasserbelastung zu mindern. Klebedächer findet man
u.a. im Länderdreieck Schweiz-Frankreich-Deutschland, wo die
Bauart von wandernden Zimmerleuten verbreitet wurde. Foto:
Rüpke
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Wo das Wasser danach unten ankommt und auftrifft, haben wir es
dann mit einem weiteren Folgeproblem, dem Spritzwasser zu tun, dem
sich das Thema Spritzwasserschutz
widmet. Im Besonderen sind auch Fenster
und Türen betroffen.
Fehlende Tropfkanten führen regelmäßig zu
unnötigen Wassereinträgen am Bauwerk mit meist
schädlichen Folgen. Mindestens läuft das Wasser an der
Fassade herunter und hinterlässt augenscheinlich erkennbare
Spuren mit späterer Bildung von Algen und Moosen.
| Technische Richtlinien: |
Forderungen der Richtlinien: |
praktische Bedingungen im Einzelfall: |
| VOB/C ATV DIN 18339, Klempnerarbeiten, Ausgabe
2000-12 Punkt 3.4.3. und 3.4.4. |
Abdeckungen müssen eine Tropfkante mit
mindestens 20 mm Abstand von den zu schützenden
Bauwerksteilen aufweisen. Ecken sind regensicher
auszuführen. |
Tropfkanten sind abhängig von
vielen Einzelfaktoren. Die Funktion der Tropfkanten muss der Planer
genau kennen und berücksichtigen.
die Tropfkanten sind z.B. an die Klimabedingungen, die
Gebäudeausrichtung, die konstruktive Ausgestaltung und die
Eigenschaften der verwendeten Baustoffe anzupassen, nicht etwa
umgekehrt!
In Einzelfällen bedeutete das, auch größere
Überstände können erforderlich werden.
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| Technische Richtlinie "Einbau von Fenstern und
Fenstertüren" (1998) |
Die Konstruktionsdetails für den
Fensterbankanschluss fordern einen Überstand größer
oder gleich 20 mm gemäß DIN 18339 |
| RAL-Gütegemeinschaft Leitfaden
Montage(5/00) |
Empfehlung: Tropfkantenüberstand von 30 -
40 mm |
Tropfkanten sind in allen Bereichen einer Baukonstruktion ein
Garant (unter anderen) für den nachhaltigen Schutz vor
schädlichen Folgen aus der direkten Bewitterung. Sie
verhindern das langsame aber unaufhaltsame Eindringen von an der
Fassade herunterlaufendem Wasser in die Konstruktion. Besonders bei
einem anhaltenden Landregen wird so die Fassade vor dauernd
herunterlaufendem Wasser mit geringstem konstruktiven Aufwand sehr
wirksam geschützt.
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Erkeruntersicht mit einer Vielzahl verschiedener Tropfkanten.
Foto: Rüpke
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An unseren wenigen verbliebenen, historischen
Fachwerkkonstruktionen ist aller Sinn von Tropfkanten gut
anzuschauen. Hier kann man die Funktionen der Wasserführung am
Bauwerk anfassen und begreifen. "Neu entdeckt" sind sie sinnvoll
auf moderne Konstruktionen übertragbar. Alles steht
ausführlich in Lehrbüchern, verstanden wird es aber eher
beim Hinsehen am Bauwerk.
Mit gleichem Ansinnen erkennt der junge Baumeister schnell, dass
ihm dabei die Folgen von konstruktiven Versäumnissen in Form
von Feuchteschäden gleich mit aufgezeigt werden.
Nicht wenige, vielfältig ausgebildete Tropfkanten sind am
Fachwerkbau zu finden, der Grund: die Konstruktion war einst allein
aus Holz und Lehm gebaut. Und diese beiden Baustoffe scheuen
naturgemäß das Wasser, nicht egal, ob mit oder ohne
Segen seines Baumeisters.
Nun eine kleine Auswahl von unterschiedlichen Tropfkanten:
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Dem Regen unterliegen Namibia`s Termiten auch mit
"Regenschirm", aber auch wir Menschen haben es noch nicht so
richtig geschafft... Foto: Rüpke
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geschossweise Auskragungen: leichtes Gefälle nach vorn
gibt dem Mauerwerk eine Tropfkante. Foto: Rüpke
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Putz im Gefach: die Schatten lassen die vorstehende Tropfkante
am unteren Putzfeld erahnen. Foto: Rüpke
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Auskragendes Fachwerk: eine scharfe Sägekante am Balken
bildet eine der vielen Abtropfkanten, die hier nötig sind, um
die Gefache vor Regen schützen. Foto: Rüpke
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Im Detail: Die vorstehende Tropfkante verhindert oben, dass
Wasser in die Fuge "schießt", unten ist der Putz
angeschrägt unter die Balkenkante gezogen. Foto:
Rüpke
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Die Ortgangverschalung bleibt auch bei Wind vor Regen
unterseitig geschützt, dank der Tropfkante des
Unterstirnbrettes. Foto: Rüpke
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Die Rundung dieser Knagge ist unten wieder etwas hochgezogen,
Dadurch ergibt sich eine sichere Tropfkante.
Foto: Rüpke
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Betonabdeckung mit Gefälle und unterseitig geschalter
Tropfnase.
Foto: Rüpke
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ein einfaches Kragbrett führt das Wasser über dem
Eisenträger weg.
Foto: Rüpke
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