... Dachstuhl am Neubau hat plötzlich erheblichen Schimmelbefall !

Das ist eine unangenehme Feststellung vieler Bauleute. Vermehrt im Winter, aber auch zu anderen Jahreszeiten, tritt solch ein Schimmelpilzbefall in Neubauten auf. Wie kommt es dazu?

Nach einem schnellen Mauerwerksrohbau mit aufgesetztem Dachstuhl und Eindeckung folgen ohne Trocknungszeiten der Innenputz an Wand und Decke, danach gleich der schwimmende Zementestrich.

Dies bringt große Mengen von Anmachwasser in den Bau. Die überwiegende Menge muss danach gleich wieder verdunsten, nur ein kleiner Teil davon wird bei der Hydrierung oder Carbonatisierung von Bindemitteln in den Zuschlagstoffen gebraucht. Der Rest ist reine Verarbeitungshilfe: das Anmachwasser. Je nach Bauteilvolumen sind das erhebliche Mengen (hunderte bis tausende Liter). Erst wenn alles Anmachwaser verdunstet ist, wird der Bau nachhaltig trocken. In der Regel dauert das seine Zeit (Wochen und Monate).

Bekannt: Schimmel im Altbau - nach Fenstereinbau zeigen sich Wärmebrücken, die Lüftung reicht nicht mehr. Foto: Rüpke
Weniger bekannt: Schimmelpilz schon im unfertigen Neubau, Fenster zu früh eingebaut, Putz und Estrich folgen, zuviel Baufeuchte. Die unzureichende Lüftung schafft es nicht, die Baufeuchte aus dem Bau bringen. Foto: Rüpke
Die hier geöffnete Innenverkleidung zeigt einen Schimmelpilzbefall an der Dachkonstruktion. Warme (feuchtere) Innenluft konnte bis dort durchdringen und ist dort an der kalten Außenfläche kondensiert. Foto: Rüpke

Ungedämmter Rohbau

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  • Das Bauwerk ist schon im Rohbau vor dem Putz dicht, mit Fenstern versehen. Die Baufeuchte von Mauerwerk und Beton wird eingesperrt.
  • Der Dachaufbau ist mit einer außen unter den Ziegeln liegenden, fast dichten Delta-Bahn versehen, zuerst als Witterungsschutz vor der Eindeckung, danach in der Funktion als winddichte Unterspannbahn.
  • In dieser Situation eines schon dichten Rohbaukörpers voller Baufeuchte bringt der Putzer weitere Baufeuchte ein.
  • Danach kommt der Estrichleger, wiederum mit einer großen Menge Baufeuchte. Dessen technische Verarbeitungsvorschriften verlangen zudem Windstille im Bau, um sonst allfällige Risse zu verhindern.
Neubau: Sparren mit Schimmelpilzbefall. Foto: Rüpke
Neubau: Pfette mit Schimmelpilzbefall. Foto: Rüpke
Neubau: Nahaufnahme eines Schimmelpilzrasens Foto: Rüpke

Das Ergebnis:

  • Das verdunstende Wasser kondensiert wochenlang an der Innenseite der kalten Dachfolie.
  • Der Fichtenholzdachstuhl wird nachhaltig durchfeuchtet, (vielleicht vorhandenes Holzschutzmittel auf Borsalzbasis wäscht für immer aus) und
  • es keimen schon nach 24 - 36 Stunden erste Schimmelpilzsporen auf dem Nährstoff Holz aus (auf Folie selten, nur wenn Bio-Film). Am verbauten Fichtenholz wird ein Befall durch Bläuepilze folgen, der an dem nährstoffreichen Splintbereichen dem Farbspiel weitere, bleibende schwarze Farbtupfer hinzufügt.

Das Wachstum ist bei ungenügender Lüftung dann "überraschend" schnell.

Die Abhilfe

Die Abhilfe besteht dem Prinzip nach in einer Trocknungslüftung (Wasserabtransport per Luft). Zeit, Temperaturunterschied und Anzahl der Luftwechsel bestimmen die zu transportierende Wassermenge. Das Wirkprinzip erfolgt dann im Kreislauf:

  • kalte trockenere Außenluft in den Bau zu holen,
  • diese Luft im Bau erwärmen, damit sie zusätzliche Feuchte aufnehmen kann und
  • danach die nun wassergesättigtere wärmere Innenluft erneut gegen kalte trockenere Außenluft tauschen. Somit wird je Luftwechsel eine gewisse Menge Wasser abtransportiert.
jedes Trockenlüften erfolgt im Kreislauf:
kältere = trockenere Außenluft in den Bau herein holen
>
diese kältere Luft im Bau erwärmen, um die Baufeuchte darin einzulagern
>
die nun warme = feuchtere Luft nach außen wieder abführen und gegen kältere austauschen

Der Baufeuchtetransport nach draußen zu schaffen, um den Neubau zu trocknen, ist ohne Aufwand nur da möglich, wo vom Neubau zum Außenbereich Temperaturunterschiede bzw eine Thermik vorhanden sind, die zum Wassertransport ausgenutzet werden können. Ist der Bau schon beheizbar, können die Luftwechsel zügiger erfolgen. Ein Aufheizen der Raumluft macht den Wassertransport effektiver. Die Luftwechsel erfordern personelle Kraft, also Zeit. Genau die fehlt meistens.

Der Zeitdruck am Neubau macht die bislang traditionell am Neubau praktizierte natürliche Trocknung zunichte. Diese, zudem kostenlose Möglichkeit, wurde im wahrsten Sinne des Wortes "verbaut".

Rasante Bauzeiten erfordern in vielen Fällen technische Trocknungsgeräte. Sie arbeiten nach dem gleichem Wirkprinzip. Das zur Abkühlung nötige Außenklima verlagert sich hier in den Geräteapparat. Damit entfällt der Luftwechsel nach außen, denn das Wasser wird nun direkt im Gerat ausgefällt und kann im Eimer oder zentral über Leitungen abgeleitet werden. Zuvor waren Kondenstrockner zur Trocknung von Wasserschäden vorgesehen. Nun erschließen sie sich auch am Neubau neue Märkte.

Auswahl zur technischen Trocknung im Neubau Kosten Nutzen
)1
technische Trocknung Bau-
tempo
Bauzustand Öffnungen Trocknung )1 Anmerkung zu Bedingungen Lüftung nötig
1 offene Brenner Gas normal provisorisch geschlossen unwirksam Abgas , enthält freies Wasser ja ! -
offene Brenner Öl, bzw. Feststoffe konvektionsbedingt Abgas, gut für Carbonatisierung ja ! +(+)
Bauheizung, Öl (außen aufgestellt) konvektionsbedingt keine Abgase ja ++
Beheizung Strom konvektionsbedingt keine Abgase, Anschluß, teuer ja +++
Zentralheizung geschlossen konvektionsbedingt bewährte Lösung ja +++
2 Kondensattrockner schnell geschlossen effektiver ab 10° - 35°C ja +++
3 Adsorptionstrockner schnell geschlossen hoch effektiv -20°+30°C, Risse Verformungen ja +++++
4 Infrarottrockner, Mikrowelle sind für die Trocknung im Neubau i.d.R. ungeeignet
Entscheidend für die Trocknung von Bauteilen ist deren Erreichbarkeit bzw. die Strömungsgeschwindigkeit der zu trocknenden Luft darn. Eine Kombination mit Luftungsgeräten ist sinnvoll.
Die Höhe der Raumtemperatur bestimmt die Trocknungszeiten, was eine Kombination von Trocknungsgeräten mit Heizgeräten erfordert. Kombiniert mit Lüftungsgeräte wird es noch effektiver.
Bei jeder technischen Trocknung sind Schäden durch Risse und Verformungen nicht auszuschließen.
)1 Die Angaben basieren nur auf eigenen Erfahrungen und sind daher als "geschätzt" zu werten.

Neubau mit schon eingebauter Dämmung

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Neubau: Dämmung schon eingebaut, aber die innenseitige Dampfsperre ist noch nicht komplett oder dicht. Foto: Rüpke
Alles ist wie vorher beschrieben, aber die Dachdämmung ist schon eingebaut, während aber die innenseitige Dampfsperre noch nicht komplett fertig oder abschließend dicht ist.

Hier kann es zur Durchfeuchtung des eingebauten Dämmmaterials kommen. Die Feuchte kommt in dem nicht kapillar wirksamen Dämmmaterial nur sehr langsam wieder heraus.

In seltenen, krassen Fällen kommt es sogar zum "Absaufen" bestimmter Bereiche*. Die Dämmung muß ausgetauscht werden. Zum Teil tief in der Dämmung am Holz verborgen, kann es hier zu Schimmelpilzbefall wie auch Bläuepilzbefall kommen.

In den krassen Fällen, bei eingesperrter Feuchte, kann es zu weiterem Pilzbefall durch Holz zerstörende Pilze kommen.

Dämmung und Innenbekleidung schon eingebaut

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Schimmelbefall im Dämmungsaufbau (Untersicht Decke) Bild:   Leserzuschrift im Hausschwamm-Forum.
Schimmelbefall im Dämmungsaufbau (Detail Balken) Bild: Leserzuschrift im Hausschwamm-Forum.
Innenbekleidung mit der dichten inneren Dampfsperre schon angebracht. Foto: Rüpke

Auch hier kann es im Bauzustand, je nach Baustoff, oberflächig zu Schimmelpilzbefall kommen. An verbautem, sichtbarem Holz wird auch ein Bläuepilzbefall auffallen.

Hier ist die typische Wärmebrücke: die Leibung ist kalt, weil undicht oder noch ungedämmt. Foto: Rüpke
Die Baufeuchte wird bei schon fertigem Innenbausbau nur noch an den (meist nur wenigen) kältesten Stellen kondensieren. Das wird kaum an den fertig bekleideten und gedämmten Flächen sein, als vielmehr in der Nähe der Fensterleibungen oder an sonstigen noch bestehenden Wärmebrücken (z.B. im Bereich der Sparren, Gefahren für nur einseitige Farbbeschichtungen an Holz, z.B. bei außenseitigem Anstrich, z.B. Traufschalung.)

Das eben Gesagte gilt natürlich nur, wenn die Dampfsperre schon im Ganzen dicht ist.

Ist die Dampfsperre stellenweise noch undicht oder gar nicht fachgerecht eingebaut, lauern hier größere Gefahren. Ähnlich dem Fall mit schon eingebauter Dämmung würden sich bald (vielleicht augenscheinlich nicht sofort erkennbare) Feuchteschäden einstellen.

Der "krasse Fall", eine undichte Dampfsperre, die Dämmung ist klitschnaß. Foto: Dr. Kürsten
Ursache wären Undichtigkeiten in der Konstruktion, die es wärmerer Innenluft erlaubten, in unkontrollierbare, kältere Bereiche zu gelangen, mit der möglichen Folge der Kondensatbildung.

Dabei könnte die Dämmung dann durchfeuchtet werden. Dies ermöglicht am Holz die nötigen Bedingungen für zuerst einen Befall durch Schimmelpilze.

Ausreichend nachhaltig, also andauernd, könnten dann die Bedingungen für einen Befall durch holzzerstörende Pilze gegeben sein.

Wenn planerisch die Gefährdungsklasse 0 oder 1 vorgegeben war, ist in solch einer (nicht eingeplanten) Schadenssituation i.d.R. kein gegen Pilzbefall vorbeugender Holzschutz gegeben.

Was sind die Ursachen für Baufeuchteprobleme ?

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  • Zeitdruck: Rückstände aus Planung, Baubeginn, Finanzierung
  • Einbau der dichten Hülle, hauptsächlich Fenster vor dem Entstehen der großen Baufeuchtequellen, Mauerwerk, Beton, Putz und Estrich (Ein Beweggrund: falsche Sparsamkeit, nachträgliches Anputzen der Fenster sollte eingespart werden)
  • Zeitdruck: Zinslast der Zwischenfinanzierung, enge Fristen für Firmen
  • Koordination und Sachkunde fehlen

Besteht hier eine Zwangsläufigkeit im Bauablauf ?

Nein, natürlich nicht. Gelernte Baumeister und Architekten, haben diese Probleme schon immer im Auge gehabt. Man kann die Bauzeit jahreszeitlich angepaßt einteilen. Der Bauablauf könnte so eingerichtet werden, dass der Mauerwerksrohbau zum Winter fertig gedeckt ist. Die Installation folgt in der Frostperiode, dabei wird schon mit (undichten) Folienfenstern abgedichtet und der Bau trocken geheizt, es folgt der Innenputz im frostfreien Winter, der Estrich nach der Frostperiode. Nach der Abtrocknungsphase kommen dann zum Schluss die Fenster und der Leibungsputz. Außenputzzeit ist im späten Frühjahr.

Anders kann es immer sein, wenn man nur die Lüftung und die Austrocknung im Auge hat. Durch Bauheizer in Verbindung mit luftigen Folienfenstern kann nachgeholfen werden. Mit dem Aufheizen des gesamten Neubaus bei kalter Außenluft ist das Lüften einfach, effektiv und schnell wirksam. Automatische Kondensattrockner sind sicher bequemer. In den meisten Fällen sind sie wegen der nötigen höheren Raumtemperaturen energieaufwendiger.

Es gibt trockene Bauverfahren und Chemiebaustoffe, um Baufeuchte zu mindern. Anlass dazu war der unbeholfene, unsachgemäße Umgang mit der Baufeuchte, die Koordinationsmängel auf der Baustelle. Unzähligen chemischen Baustoffen und Trockenbauverfahren nun aber bedenkenlos den Weg zu bereiten, bleibt eine Wahrheit von vielen. (Dummheit am Bau verlangt eigentlich nur nach einsichtigeren, besseren Verfahrensregeln, man nennt es auch Fach- und Sachkunde. Dabei müssen alle mit machen.)

Herkömmliches, einfaches, bewährtes Bauen mit überwiegend unbedenklichen mineralischen Baustoffen wie Holz und Stahl, muss wegen der anfallenden Baufeuchte nicht leidig sein. Es bleibt nach wie vor "die" ökologisch unbedenkliche Bauweise.

Fazit

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Schimmel am Neubau ist bedingt durch klimatisch ungünstige Einflüsse bei gleichzeitig wenig weitsichtiger Baukoordination. Hauptsächlich daran beteiligt ist das verdunstende Anmachwasser von Mauerwerk, Putz und Estrich. Im Neubau eingesperrt, führt es zur Auffeuchtung des (zuvor trocken) eingebauten Holzes. Eine unbedachte Gewerkefolge bzw. ein fehlendes Lüftungsregime begünstigt den Schimmelbefall. Im Grundsatz gilt, aus Fehlern lernen und den Schimmelpilzbefall durch die Beseitigung der Ursachen bekämpfen. Es ist die Bauteiltrockenheit am verbauten Holz (wieder) herzustellen.

Grundsatz: Schimmelpilzbefall wird durch die Beseitigung der Ursachen bekämpft !

Ob ein Mangel ist, in wessen Verantwortungsbereich der fällt, wie umfangreich der Schaden ist, ob Folgeschäden zu erwarten sind und wie die Sanierung möglich ist, das bedarf der sachverständigen Untersuchung im Einzelfall.

Ein Blick über die Berge zeigt, traditionelle Baukonstruktionen (vergleichbar zu unseren Klimabreiten) haben im Kampf gegen Feuchte und Außenklima annehmbare Ergebnisse vorzuweisen. Baukunst muss daher nicht neu erfunden werden, davon darf abgezeichnet und kopiert werden.

Werden die physikalischen Gesetze und die altbekannten Regeln der Bautechnik beachtet, steht einer traditionellen, bewährten Bauweise weiterhin die Zukunft offen.

home Weitere Informationen zum unendlichen Thema "Feuchte", Luftfeuchte, Kondenswasser, Feuchteschäden finden Sie bei uns auch noch auf anderen Seiten:

Einige der Fragen und eine technisch mögliche Sanierung (von vielen) wird auf der Seite Schimmelpilz-
sanierung
aufgezeigt.

Schimmelpilzbefall durch Baumängel nach Baufertigstellung ist wiederum ein anderes Thema, was wir gesondert bearbeiten (Seite noch in Arbeit).

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