Fledermäuse im Dachstuhl
- ein Problemfall !? |
![]() |
Fledermaus auf der Suche nach einer Schlafnische
|
Wenn Sie nun fündig geworden sind und also eine Fledermausgruppe beherbergen, lassen Sie sich am besten durch Fachleute von Naturschutzorganisationen beraten. Da diese sich mit Artenschutz auskennen, ist so für den sicheren Umgang mit den Fledermäusen gesorgt. Keinesfalls sollten sie selbst die Tiere anfassen oder durch unbedachtes Handeln stören.
Bedenken Sie: alle heimischen Fledermausarten stehen unter Naturschutz, denn sie sind das am stärksten bedrohte Säugetier in allen deutschen Bundesländern!
Holzschutzmittel und Fledermäuse
|
Dass die kleinen Säuger ein Quartier gefunden haben, ist gut und wichtig. Dass sie sich aber gleichzeitig durch diese Wahl auch einer Gefahr aussetzen können, ist weniger schön. Meist ist Fichte oder allgemein splintreiches Nadelholz im Dach verbaut, welches seiner Anfälligkeit wegen einer vorbeugenden chemischen Imprägnierung bedarf. Weniger gefährlich ist es, wenn der Holzschutz schon älter ist. Doch soll aus bestimmten Gründen eine Neubehandlung mit Holzschutzmitteln gegen Pilze oder Insekten erfolgen, kann es den Fledermäusen an den Kragen gehen...
![]() |
So wirken die Gifte auf den Körper des Säugetiers |
Der direkte Kontakt mit frisch behandeltem Holz kann zu schweren Schädigungen der Tiere führen. Die Fledermäuse sind den Giften der Holzschutzmittel am unmittelbarsten ausgesetzt, da sie direkten Kontakt zur Holzoberfläche haben, wo die Konzentration der ausdünstenden Stoffe am höchsten ist. Hier atmen sie die Gifte und besonders auch die Lösungsmittel frisch aufgetragener Biozide jede Nacht aufs Neue ein und sind somit dauerhaft gesundheitlich belastet.
![]() |
Fledermaus auf einem Balken
|
Man sollte hierbei auch bedenken: Was für den Menschen durch zu geringe Konzentration nicht schädlich wirkt, ist für so einen kleinen Organismus wie die Fledermaus schon gefährlich, denn die gleiche Menge Gift ist in einem kleinen Körper ungleich intensiver wirksam als in einem großen.
![]() |
...auf nächtlicher Jagd
|
Es gibt Holzschutzmittel, die als Kontaktgift gegen Insekten wirken. Meist sind dies Nervengifte, die aber auf Insekten tausendfach stärker wirken als auf Warmblüter (also auch Mensch und Fledermaus). Heute werden besonders häufig Pyrethroide (z.B. Permethrin) aus dieser Kategorie eingesetzt. Durch Säuger wird dieser Wirkstoff weniger über die Haut, sondern vielmehr durch Inhalation aufgenommen. Bei seltenem Kontakt speichert sie der Körper nicht und wandelt sie durch Enzyme rasch um. Jedoch bei dauerhafter Aufnahme, wie es bei den Fledermäusen am imprägnierten Dachbalken durchaus der Fall sein kann, können Nervengifte starke Sensibilitätsstörungen, wie Beeinträchtigungen des Seh- und Hörvermögens, hervorrufen - für schallorientierte Jäger wie die Fledermaus eine Lebensgefahr.
Die oben angegebenen, organischen Salzverbindungen enthalten Schwermetalle wie Chrom und Kupfer, die bei längerem Kontakt auch für den Menschen erhebliche Gesundheitsrisiken bergen. Viele dieser Wirkmittel sind für die Gefährdungsklasse 2 zugelassen, dem Wohnbereich der Hausfledermaus.
Bei Wirkstoffen, die als Häutungshemmer (z.B. Tebuconazol) in die Entwicklung der Larven eingreifen, wird versichert, dass sie selektiv, also ausschließlich auf Insekten, wirken. Demzufolge beeinflussen sie keine Säugetiere. Dennoch lauern Gefahren, denn Gift bleibt Gift.
Neben den eigentlichen Wirkstoffen sind oft Lösemittel eingebracht, die zusätzlich schädlich auf den Organismus, auf Lunge, Augen und obere Atemwege der Tiere wirken können. Aber auch die Wechselwirkung mit anderen Stoffen birgt Gefahren, die noch weitestgehend unerforscht sind. Eine über Jahre andauernde Einwirkung giftiger Stoffe auf Säugetiere wurde etwa in Lagzeitstudien noch nicht getestet.
Wird nun mit Holzschutzmitteln in einem von Fledermäusen bewohnten Dach gearbeitet, müssen zumindest Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, um die Tiere so wenig wie möglich durch die eingetragenen Gifte sowie die derbe Störung der Arbeit zu schädigen.
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Wenn in ihrem Dach eine Renovierung oder Holzschutzmaßnahme ansteht, sollten sie zuvor eine gründliche Inspektion des Daches vornehmen und/oder einen Fachmann zu Rate ziehen. Sind Fledermäuse in ihrem Dachstuhl, gibt es einige Möglichkeiten, sowohl deren Schutz als auch die zügige, durch die "Untermieter" nicht allzu eingeschränkte Arbeit zu gewährleisten.
|
|
|
|
Alle die genannten Möglichkeiten sind mit einem Mehr an Aufwand verbunden. Doch sollte es zu bedenken geben,dass die Fledermaus schon lange die am stärksten gefährdete Tierart unserer Heimat ist und unseres Schutzes dringend bedarf.
1 Wenigstens für Bretter, die zum Festkrallen für Fledermäuse eingebaut werden können, kann, damit es für Fledermäuse verträglicher ist, durch Holzartenwahl auf chemischen Holzschutz ganz verzichtet werden. Alle Farbkernholzarten (Kiefer, Lärche, Douglasie) werden als Kernholz nicht vom Hausbock befallen. Sie können ohne chemischen Holzchutz in der Gefärhdungsklasse 1 verbaut werden.
zurück zur Tabelle
2 "Fledermaus-verträglich" ist ja ein sehr subektiver Begriff. Die einzelnen Holzschutzmittel sind in ihrer Wirkung auf Schädlinge, sowie in der Giftigkeit für Säugetiere sehr unterschiedlich. Werden diese Mittel mit Bedacht eingesetzt, d.h. nur an Stellen, wo kein anderer Holzschutz als der chemische angewendet werden kann, und wird auf eine ausreichende Lüftungszeit von mindestens 4 Wochen geachtet, hat man die Gefahr für die Fledermäuse bereits um einiges heruntergesetzt. Chemische Holzbehandlungen sollten unbedingt im Zeitraum zwischen Oktober - Februar ausgeführt werden, da dann die Fledermäuse auf Wanderschaft oder im Winterschlaf sind, und also die Dächer der Menschen nicht besiedeln.
Die Lüftungszeit ist übrigens bei allen Arten von chemischem Holzschutz vonnöten. Bei Mitteln auf Lösungsmittelbasis verflüchtigt sich in dieser Zeit ein Großteil der Zusatzstoffe, zurück bleiben überwiegend die gegen Schädlinge wirkenden Gifte. Bei Salzgemischen läuft in ca. 4 Wochen Lüftung der Prozess der Fixierung ab. Danach sind Salze nicht mehr wasserlöslich und können auch nicht mehr von den Fledermäusen ausgeleckt werden. Bei nicht fixierenden Salzen trocknet zumindest
Holzoberfläche ab.
zurück zur Tabelle
3 Das Heißluftverfahren muss in der Abwesenheit der Tiere geschehen, also im Zeitraum von Oktober bis Februar. Dies bedeutet eine gewisse Handlungseinschränkung, da für diese Bekämpfungsart normalerweise der Sommer genutzt wird, wo die Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenraum nicht so groß ist. Doch der Schutz der Fledermaus, die den Sommer im Dach verbringt, sollte hier Vorrang haben. Bei akuten Fällen wenden sie sich an die Naturschutzorganisationen.
Nach der Bundesartenschutzverordnung hat die Fledermaus einen besonderen Schutzstatus, darf daher
nur von ausgewiesenen Fachleuten gestört, berührt oder umgesiedelt werden.
zurück zur Tabelle
4 Durch die Abgrenzung der vergifteten Holzkonstruktionen sind diese den Tieren nicht mehr zugänglich und die Schädigung der Säuger bleibt völlig aus.
Fledermäuse sind jedoch sehr ortstreu und suchen oftmals im folgenden Jahr wieder den selben Hangplatz auf. Hier sollte versucht werden, Ersatzhangplätze zu schaffen. Ein- und Ausflugslöcher sollten am bisherigen Platz belassen werden und offen bleiben. Es kann aber auch vorkommen, dass
sich die Fledermäuse im veränderten Dach nicht mehr wohl fühlen und andere Plätze aufsuchen.
zurück zur Tabelle
Im Grunde kann man sich glücklich schätzen, wenn das eigene Dach von Fledermäusen bewohnt wird, zeugt es doch von Natürlichkeit, wenn diese Tiere sich hier wohl fühlen. Um zum Arterhalt der Fledermäuse und zur Biodiversität des Umlandes beizutragen, kann man auch ein noch unbesiedeltes Dach für diese Nachtjäger attraktiv gestalten.
In vielen Dächern werden diese scheuen Bewohner immer seltener, werden doch durch Dachhäute und andere Maßnahmen die Dächer perfekt abgedichtet und unzugänglich gemacht. Sind dagegen Ein- und Ausflugslöcher im Dach vorhanden, gibt ihnen dies eine Möglichkeit für eine neue Heimat.
Auch der Einbau von Fledermaus-Ziegeln und die Neugestaltung des Daches mit zusätzlichen Hangplätzen fördert die Wohnqualität der Tiere. Die Hangplätze kann man auch selbst bauen und Kinder beim Basteln mit Holz auf den Naturschutz bringen...
|
Für viele weitere Ideen und nützliche Informationen sei hier auf die Seite
http://www.fledermauskunde.de verwiesen. |