Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe
- Wood-Plastic-Composites (WPC)
Wood-Plastic-Composites (WPC) sind thermoplastisch verarbeitbare
Verbundwerkstoffe, die aus unterschiedlichen Anteilen von Holz, Kunststoffen und
Additiven bestehen, und durch thermoplastische Formgebungsverfahren, wie z.B.
Extrusion, Spritzguss oder Presstechniken, verarbeitet werden. (nova-Institut
2005)
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Extrudierte Hohlkammerprofile aus Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff -
Wood-Plastic-Composites (WPC) hier als Dielen für den
Außenbereich.
Foto: Dr. Kürsten
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Es handelt sich um eine neue Werkstoffgruppe, die sich derzeit weltweit mit
hohen Zuwachsraten dynamisch entwickelt. WPC sind Verbundwerkstoffe aus dem
nachwachsenden Rohstoff Holz, meist synthetischen Kunststoffen und Additiven. Ein
typisches WPC-Produkt ist z.B. ein extrudiertes Profil für einen
Veranda-Bodenbelag, aus 70% Holzmehl (meist Nadelholz aus
Sägewerksabfällen, z.B. Sägemehl), 25% Polyethylen oder Polypropylen
und 5% Additiven, wie Haftvermittler, UV-Schutzzusätzen und Farbpigmenten. Ein
allgemein akzeptierter deutscher Begriff hat sich bislang nicht etablieren
können. Die wörtliche Übersetzung von WPC lautet:
Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe.
Weltweit führend bei Produktion und Einsatz von WPC ist Nordamerika, wo im
Jahr 2005 ca. 700.000 t am Markt abgesetzt werden. Im deutschsprachigen Raum, der
mit Deutschland, Österreich und der Schweiz der größte WPC-Markt in
Europa ist, gibt es über 25 WPC-Hersteller mit rasch wachsendem
Produktionsvolumen (ca. 20.000 t im Jahr 2006 - Nova-Institut 2007). Argumente
für den Einsatz dieser neuen Werkstoffe sind:
- Holzmehl ist deutlich billiger als die eingesetzten Kunststoffe,
sodass diese damit kostensparend "verdünnt" werden können.
- Dadurch verbessern sich die thermischen Eigenschaften der
Kunststoffe.
- Im Vergleich zu reinem Holz sind WPC´s sicherlich
witterungsbeständiger und splitterfrei, beides sehr vorteilhaft beim Einsatz
als Terrassendecks usw.. Damit können kesseldruckimprägnierte
Nadelhölzer oder aus Raubbau stammende, nicht zertifizierte
Tropenhölzer substituiert werden.
Zur Herstellung von WPC eignen sich aufgrund der eingesetzten Holzrohstoffe
insbesondere synthetische und Bio-Polymere mit einer Schmelz- bzw.
Verarbeitungstemperatur von unter 200°C, da Temperaturen oberhalb von
200°C zu Schädigungen der Bestandteile des Holzes (Lignine,
Hemicellulosen) führen können. Zu diesen Polymeren gehören
Polyethylen (PE) (in den USA mindesten 70% Marktanteil), Polypropylen (PP) und
Polyvinylchloride (PVC) sowie – bislang mit geringer Bedeutung - Stärke-
und Lignin-basierte Bio-Kunststoffe. (Fraunhofer WKI 2004)
(Quelle und weitere ausführliche Informationen zum Thema: (
nova-Institut 2005
) und
WRAP (2003): Wood Plastic Composites Study - Technologies and UK Market
Opportunities.
Download
)
Zu Schäden an WPC´s gibt es noch keine endgültige Klarheit.
Sicher ist:
- Die Holzpartikel in den Produkten quellen, da sie zur
Verarbeitung sehr trocken (<12%) sein müssen. Diese Quellung erfolgt
allerdings recht langsam.
- Die Wasseraufnahme hängt sehr vom Anteil (und auch von der
Art) des Holzes und der Haftung zwischen den Holzteilchen und der
Kunststoffummantelung ab.
- Da unter Umständen Feuchtigkeiten von mehr als 20% über
längere Zeit möglich sind, ist auch der Befall durch
holzzerstörende Pilze möglich (auch gerade an der Oberfläche),
weshalb die Beimischung von Fungiziden empfohlen wird.
- Auch zur Erhöhung der UV-Beständigkeit und zur
Vermeidung von Rissen sind Anstriche oder Beimischungen entsprechender Additive
notwendig,
- Über den Befall von WPC´c durch Insekten ist noch
nichts bekannt geworden.
Über einen spektakulären Pilzbefall (unter tropischen Bedingungen)
wurde 1998 berichtet: Aus einem WPC (mit 50 % Holzanteil) gebauter Steg in den
Everglades (Florida) wuchsen nach nur vier Jahren bereits Fruchtkörper des
Braunfäuleerregers Gleophyllum striatum (L.: Fr) Murrill und des
Weißfäulepilzes Pycnoporus sanguineus (Swartz: Fr) Murrill. Außerdem
wurde Befall durch Bläuepilze beobachtet.( Morris und Cooper (1998): Recycled
plastic/wood composite lumber attacked by fungi. Forest Products Journal 48 (1),
86-88)
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Auch bei WPC kann es also unter bestimmten Bedingungen zu Befall durch
holzzerstörende und holzverfärbende Pilze kommen. Der Befall ist
primär bedingt durch den Holzfaseranteil und eine nötige Holzfechte
des WPC-Materials von über 20 Masse-% über eine ausreichend lange
Zeit. Ein höherer Holzanteil veringert also die Dauerhaftigkeit
gegenüber holzzerstörenden Pilzen. WPC-Material mit einen
Holzanteil über 60 bis 70% kann im Außenbereich nicht dauerhaft
sein.
Nicht dauerhaft, hießt eigentlich nur dem Kreislauf des Lebens
unterworfen zu sein. Bekanntlich kann man mit Gift aus diesen Lebenskreislauf
ausscheiden. Das gilt auch für WPC. Durch Beimengung von Additiven, wie
z.B. Zinkborat*, dessen
Auswaschung bis 20 Jahre
dauert, können
biotische Schäden verlangsamt werden. Verfärbungen durch Pilze und
andere Mikroorganismen sowie durch Korrosion wird mit sogenannten
Multi-Functional-Additiven begegnet.
Vorsichtshalber wird auch das bereits industriell stark malträtierte
Holz noch ein wenig vergiftet. Die Frage bleibt, ob diese "Vergiftung"
überhaupt nötig ist, handelt es sich doch um einen zwar nicht
dauerhaften aber doch sehr langlebigen Werkstoff, der, draußen im Garten
verbaut, vermutlich eher einem neuen Modetrend als den Pilzen zum Opfer
fallen wird. Das ausgewaschene Zinkborat im Gartenboden wird aber
bleiben.
*Einstufung von Zinkborat: R 50/53: Sehr giftig für
Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche
Wirkungen haben. N: Umweltgefährlich.
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Weitere aktuelle Publikationen:
- Schirp, Anke ; Wolcott, Michael P.: Fungal degradation of
wood-plastic composites and evaluation using dynamic mechanical analysis . In:
Journal of Applied Polymer Science 99 (2006), Nr. 6, S. 3138-3146.
Stichwörter: activation energy; composites; degradation; extrusion;
polyethylene (PE)
- Schirp, Anke ; Wolcott, Michael P.: Influence of fungal decay
and moisture absorption on mechanical properties of extruded wood-plastic
composites . In: Wood and Fiber Science 37 (2005), Nr. 4, S. 643-652
- Schirp, Anke: WPC: Ein Substrat für Holz abbauende Pilze?
In: Holz-Zentralblatt 131 (2005), Nr. 42, S. 538. Stichwörter: WPC;
Wood-Plastic-Composites; Extrusion; holzabbauende Pilze; biologische
Dauerhaftigkeit
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Steckel V., Clemons C.M. u. Thoemen H. 2007:
Effects of Material Parameters on the Diffusion and Sorption Properties
of Wood-Flour/Polypropylene Composites. Journal of Applied Polymer
Science 103 (2), 752-763 (
Abstract
), (
Download
)
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