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Technisch getrocknetes Holz -
ist es vor holzzerstörenden Insekten sicher?Ein Befall durch holzzerstörende Insekten wird festgestellt. Die Reklamation beim Lieferanten ergibt, dies könne doch gar nicht möglich sein, da das Holz zuvor technisch getrocknet war. Insekten würden bei der technischen Trocknung absterben, das Holz würde sich verändern, sodass technisch getrocknetes Holz gar nicht mehr befallen werden kann. Technische Trocknung = Heißluftverfahren? Nein. Erfolgreich sind thermische Bekämpfungmaßnahmen bei Hausbockbefall, weil sie sofort wirken. Und danach? Im Anschluss an eine bekämpfende Heißluftmaßnahme (DIN 68 800-4 Abschn. 5.3.1) ist alles tragende Holz mit chemischem Holzschutz, vorbeugend gegen Insektenbefall wirkend, zu behandeln, sofern es nicht der Gefährdungsklasse 0 zuzuordnen ist. (Da hier der Hausbockbefall die Gefährdungsklasse 1 gerade als belegte Tatsache bestätigt hat, wäre eine Zuordnung in die Gefährdungsklasse 0 unverständlich.) Tatsächliche Gefährdung einerseits - tatsächliche Dauerhaftigkeit oder Resistenz andererseits Maßgebend für die Gefährdung von verbautem Holz durch holzzerstörende Insekten sind allein die umgebenden klimatischen Bedingungen, u.a. Temperatur und Feuchte. Holz reagiert als hygroskopischer Baustoff auf Wechsel in diesen Umgebungsbedingungen.
Vorausgesetzt es kommt bei Transporten und Lagerung oder beim Einbau auf der Baustelle (Belastung durch schadträchtige Baufeuchte) nicht zu nachhaltigen Auffeuchtungen, kann das Holz vom Zeitpunkt der Trocknung bis zum Einbau unter Dach den geforderten Bereich der Holzfeuchte einhalten. Diese entspräche der sich bei der späteren Nutzung einstellenden Holzfeuchte von rd. 15 %. Eine im Vorfeld der Produktion angeordnete Reduzierung der Holzfeuchte, eine gegen Witterung geschützte Lagerung und Transport sowie nach dem Einbau möglichst geringe Baufeuchte mindern die Gefahr eines Befalls durch holzzerstörende Insekten erheblich. Die Annahme, eine technische Trocknung an sich schütze vorbeugend gegen Insekten, ist daher wegen der hygroskopischen Eigenschaft des Holzes, sich an die jeweilige Umgebungsfeuchte anzupassen, leicht zu wiederlegen. Einmal trocken ist nicht immer trocken. Die Annahme, eine technische Trocknung an sich führte zu einer Veränderung der Holzinhaltsstoffe und schütze somit vorbeugend gegen Insekten, ist zunächst einmal mangels ausreichender Belege umstritten und bedarf somit näherer Untersuchung.
Technisch getrocknetes Holz und Hausbock-Eilarven Die MPA Brandenburg machte hierzu Laborversuche, um an bei unterschiedlicher Temperatur getrockneten Kiefern- und Fichtenhölzchen die Entwicklung von abgelegten Hausbockeilarven zu untersuchen. Es wurden je sechs Proben gestaffelt auf 30, 60, 90, ... bis 210 °C getrocknet. Hiernach wurden die Proben konditioniert (27°C und 80% rel. Luftfeuchte) und anschließend mit je sechs Hausbockeilarven versehen. Die Eilarven nagten sich fast alle ein. Nach 12 Wochen wurde die Eilarven gezählt und die Gewichtszunahmen gemessen.
Die Ergebnisse belegen anschaulich, dass bei gängigen Temperaturen in der Trockenkammer getrocknetes Bauholz (rd. 70°C) keinen vorbeugenden Schutz vor holzzerstörenden Insekten bietet. Dass im bei 30°C getrockneten Holz nur die Hälfte der Larven überlebt hat, ist auf die natürliche Resistenz der Holzarten zurückzuführen, die bei diesen praxisnahen Temperaturen bestimmte Holzinhaltsstoffe wie Terpene und Öle ausgasen. Bei höheren Temperaturen verflüchtigen sich diese Stoffe um so schneller und verlieren ihre Wirkung. Bei Trocknungsverfahren ab 180° sind den Larven die nötigen Lebensgrundlagen im Holz entzogen. Nicht die Trocknung an sich, sondern die normgerechte Bauweise beugt einem Insektenbefall vor Warum in der Praxis an technisch getrockeneten Hölzern (aber auch an natürlich durchgetrocknetem) kaum Insektenbefall auftritt, ist nicht der Trockung an sich zuzuschreiben, sondern der hierbei eingehaltenen normgerechten Bauweise. Die Holzfeuchte beim Einbau soll in etwa der zu erwartenden Holzfeuchte bei späterer Nutzung entsprechen. Wird die Holzfeuchte auf dem Weg des Holzes von der Verarbeitung über Transport, Lagerung und Verbauung bis hin zur Nutzung im geforderten engen Rahmen eingehalten, sinkt dessen Anziehungskraft auf holzzerstörende Insekten. Trockenes Holz zu besorgen, ist in der Regel teurer. Vom Verarbeiter wird es besser behandelt, um diesen Zustand zu erhalten. Nicht technisch getrockenetes Holz hingegen geniesst weniger Fürsorge. Oft lässt man es im Regen stehen - es ist ja eh nicht ganz trocken.
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