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Gebrauchsklassen
(Gefährdungsklassen)
Für jeden Planer, gleich ob Architekt oder Ingenieur, ist
die Kenntnis der tatsächlichen Gefährdung insofern
wichtig, als er diese Angaben in seiner Planung und Ausschreibung
mitliefern muss. Diese Aufgabe und Verantwortung kann er nicht auf
die Handwerker abwälzen. Nur er ist dem Bauherrn eine
sachkundige Beratung schuldig, denn der Bauherr entscheidet die
Ausführung als Auftraggeber. Somit muss er auch für den
richtigen Holzschutz eine Entscheidung treffen. Dies wird oft
so nicht gesehen.
Schon bei der Planung haben viele Baufehler ihren Ursprung, wenn
der tatsächlichen (zu erwartenden) Gefährdung der
tragenden Holzbauteile - meistens durch Unwissen infolge von
Ausbildungsschwächen - nicht genügend planerische
Aufmerksamkeit zuteil wird. Um diese Schwächen zu
überspielen, wird dem Auftraggeber mit vollendeten Tatsachen,
z.B. einem chemischen Holzschutz, jede
Entscheidungsmöglichkeit zu anderen Alternativen eines
nichtchemischen Holzschutzes (z.B. durch Wahl besser geeigneter
Holzarten oder anderer konstruktiver Wege) genommen.
Anforderungen entsprechend den Anwendungsbereichen von
Holzschutzmitteln in den Gefährdungsklassen / Gebrauchsklassen
(GK)
Für Holz und Holzprodukte sind nun in der DIN EN 335-1
Gebrauchsklassen festgelegt (siehe unten), die
verschiedene Gebrauchsbedingungen widerspiegeln. In der Neufassung
der zur Zeit in Überarbeitung befindlichen DIN 68800 werden
dann die Gebrauchsklassen auch die dortigen Gefährdungsklassen
ablösen. Der Inhalt beider Begriffsbezeichnungen bleibt,
weshalb wir gewohnheitsmäßig beide erwähnen.
Allgemeine Gebrauchsbedingungen als Gebrauchsklassen (GK) nach EN
335-1 (aus: DIN EN 460) sowie die Zuordnung der
Gefährdungsklassen nach DIN 68800-3 und die Anforderungen an
anzuwendene Holzschutzmittel:
Allgemeine Gebrauchs-
bedingungen
|
GK
|
Gefährdung durch
|
Prüf-
prädikat |
|
Bildbeispiel
|
. |
Anwendungsberich |
Anforderung |
. |
| Holzbauteile, die
durch Niederschläge, Spritzwasser oder dergleichen nicht
beansprucht werden... |
| Ohne Erdkontakt,
abgedeckt (trocken) |
GK 1
|
Insekten |
Iv |
 |
.
|
Innenbauteile bei einer mittleren relativen
Luftfeuchte bis 70% und gleichartig beanspruchte Bauteile
(Holzfeuchte unter 20% sichergestellt) |
Gegen Insekten vorbeugend
wirksam
|
. |
| Ohne Erdkontakt,
abgedeckt (Risiko einer Befeuchtung) |
GK 2
|
Insekten,
holzzerstörende Pilze |
Iv, P |
 |
. |
Innenbauteile bei einer mittleren relativen
Luftfeuchte bis 70% und gleichartig beanspruchte Bauteile sowie
Innenbauteile in Nassbereichen, Holzteile wasserabweisend abgedeckt
und Außenbauteile ohne unmittelbare Wetterbeanspruchung |
Gegen Insekten vorbeugend
wirksam,gegen Pilze vorbeugend wirksam (Fäulnisschutz) |
. |
| Holzbauteile, die durch
Niederschläge, Spritzwasser oder dergleichen beansprucht
werden...
|
| Ohne Erdkontakt,
nicht abgedeckt |
GK 3
|
Insekten holzzerstörende Pilze, Auswaschung |
Iv, P, W |
|
|
. |
Außenbauteile mit
Wetterbean-spruchung ohne ständigen Erd- und / oder
Wasserkontakt und In-nenbauteile in Nassräumen |
Gegen Insekten vorbeugend
wirksam, gegen Pilze vorbeugend wirksam (Fäulnis-
schutz), auch für Holz, das der Witterung ausgesetzt ist
jedoch nicht im ständigen Erdkontakt und nicht im
ständigen Kontakt mit Wasser. |
. |
| . |
Wie W, aber nur für im
Kesseldruckverfahren imprägniertes Holz |
(W) |
| In Kontakt mit
Erde oder Süßwasser |
GK 4
|
Insekten,
holzzerstörende Pilze, Auswaschung, Möderfäule |
Iv, P, W , E |
|
|
. |
Holzbauteile mit ständigem Erd- und /
oder Süßwasserkontakt, auch bei Ummantelung (Besondere
Bedingungen gelten für Kühltürme sowie für Holz
im Meerwasser) |
Gegen Insekten vorbeugend
wirksam, gegen Pilze vorbeugend wirksam (Fäulnis-
schutz), für Holz, das der Witterung ausgesetzt ist (wie bei
GK 3), auch für Holz das extremer Beanspru-chung ausgesetzt
ist (im ständigen Erd- und / oder Wasserkontakt sowie bei
Schmutzablagerung in Rissen und Fugen |
. |
| Holzbaubauteile, im Meerwasser
und durch Niederschläge beansprucht...
|
| Im Meerwasser |
GK 5
|
Insekten,
holzzerstörende Pilze, Auswaschung, Möderfäule, im
Meerwasser maritime Holzzerstörer |
|
 |
.
|
Holzbauteile im
Meerwasser |
Besondere
Anforderungen |
. |
Übersicht der
Prüfprädikate:
Iv = gegen Insekten vorbeugend,
P = gegen Pilze vorbeugend (Fäulnisschutz)
W = der Witterung ausgesetzte Konstruktionen werden geschützt
(Wirkstoff auswaschsicher fixiert)
E = für Holz, welches extremen Beanspruchungen ausgesetzt ist
(ständiger Erd-, Wasserkontakt, sowie Schmutzablagerungen in
Risse und Fugen)
(W) = wie W, aber nur für im Kesseldruckverfahren
imprägniertes Holz |
*) Hinweis: Nach DIN 68 800 Teil 3, gibt es die Gefährdungsklasse 0, in
der keine Notwendigkeit für chemische
Holzschutzmaßnahmen besteht, wenn "Holz in Räumen mit
üblichem Wohnklima oder vergleichbaren Räumen verbaut ist
und a) gegen Insektenbefall durch eine geschlossene Bekleidung
allseitig abgedeckt ist oder b) Holz zum Raum hin so offen
angeordnet ist, dass es kontrollierbar bleibt", oder entsprechende
Farbkernhölzer verwendet
werden.
Diese in der BRD weiterhin geltende "Gefährdungsklasse 0"
ist übrigens eine rein deutsche Sonderheit, die es in anderen
europäischen Ländern und Normen nicht gibt.
Der in Europa schon lange benutzte
Begriff der Gebrauchsklassen ersetzt nun die (deutschen)
Gefährdungsklassen.
Für Holz und Holzprodukte in der DIN EN 335-1
Gebrauchsklassen festgelegt, die verschiedene Gebrauchsbedingungen
widerspiegeln. In der Neufassung der zur Zeit in Überarbeitung
befindlichen DIN 68800 werden dann die Gebrauchsklassen auch die
dortigen Gefährdungsklassen ablösen. Inhaltlich
ändert sich damit jedoch nichts wesentliches, weshalb wir
gewohnheitsmäßig beide erwähnen.
| Gebrauchsklassen
in DIN EN 335 |
|
Gebrauchsklassen nach DIN prEN 335
|
Gebrauchsbedingungen
|
| 1 |
Bauteil unter Dach
und vollständig vor der Witterung geschützt |
keiner Befeuchtung
ausgesetzt |
| 2 |
Bauteil unter Dach
und vollständig vor der Witterung geschützt |
jedoch hohe Umgebungsfeuchte
führt zur gelegentlichen, aber nicht andauernden
Befeuchtung |
| 3 |
Bauteil der
Witterung ausgesetzt aber kein Erdkontakt |
Gegenstand häufiger
Befeuchtung |
| 4 |
Bauteil
ständig mit Süßwasser und / oder Erde im
Kontakt |
ständige Befeuchtung |
| 5 |
Bauteil
ständig mit Meerwasser im Kontakt |
ständige Befeuchtung |
Literaturhinweis:
Ein sehr interesantes Informationsblatt mit weitergehenden
Angaben dazu (erforderliche Dauerhaftigkeitsklassen in den
einzelnen Gefährdungsklassen, Möglichkeiten und Grenzen
der Kesseldruckimprägnierung usw.) bietet die Firma Heinrich
Fahlenkamp als PDF-Dokument zum download!
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