Projekt im
Semesterpraktikum
bei Holzfragen.de Mitarbeit: Stud. Ing. Carsten Fiedler, HAWK - Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen |
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| Neues vom Hausbock |
| Dachstuhl mit Hausbockbefall |
| Sicherheit durch Farbkernhölzer! |
| Flugzeite n Trockenholzinsekten |
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Am aufgespaltenen Holz deutlch erkennbar, Hausbocklarven (im roten Kreis) fessen sich ganz unregelmäßig kreuz und quer durch das Nadelholz. Foto: Rüpke |
In der Vergrößerung ist das Fraßbild mit der typischen Riffelung erkennbar. Die Rillen entstehen wenn die Fraßwerkzeuge sich hin und her bewegend im Holzt voranarbeiten. Foto: Rüpke |
Splintholz
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Das Holz braucht mehr als eine Säge - es braucht auch seinen Meister. Foto: Rüpke |
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Schon vor 1900: statiscke Berechnung und Optimierung der Holzquerschnitte (Gebäude in Bad Pyrmont) Foto: Rüpke |
Es ist noch gar nicht so lange her, daß ein Holzquerschnitt bestimmungsgemäß durch die statische Berechnungen festgelegt und nach Prüfung und Genehmigung am Bau vorgegeben wurde.
Diese Neuerung kam mit der Industrialisierung als moderne Bautechnik und diente auch zur Einsparung von Baukosten. Die Folge waren neue Einrichtungen zur Ausbildung zum Baugewerksmeister (Baugewerksschulen) dem Vorläufer der späteren breiten Techniker- und Ingeniuerausbildung (Techniker- und Ingenieurschulen).
Vor der industiellen Umschichtung wurde nach bewährten Erfahrungen oder aber auch "frei nach Schnauze" gebaut. Z.B. wer viel Geld hatte, leistete sich dann größere Querschnitte und damit mehr Sicherheit (vorbeugender Holzschutz) im Gebäude.
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Bautechnisch betrachtet ist die "Kunst des Wägens" in der Statik,
a) Bauteile zuerst ausreichend standsicher und
Statik
altgriechisch statike (techne) = (Kunst des) Wägens. Statik ist demnach die Lehre vom Gleichgewicht der Kräfte. Sie beschäftigt sich mit den ruhenden Kräften (im Gegensatz zur Dynamik).
b) dabei gleichzeitig im Materialquerschnitt optimal (und damit preiswert) zu gestallten.
Wenig statische Überlegung verlangte z.B. ein Blockhaus aus ganzen Baumstämmen. Statisch optimiert und wesentlich preiswerter könnte schon ein Viertel des Baumquerschnittes die gegebene (geringe) Last auch noch mehrfach aufnehmen.
Es wird das Wissen um diese Statik an der Entwicklung der Menschheit abzulesen sein.
Der Übergang von der Höhle in eine selbst gebaute Behausung bildet die
Anfänge der Statik. Wurde hier noch mit ganzen (Holz-) Querschnitten gebaut, mit der
Entwicklung der Werkzeuge änderte sich dies spätenes mit der Einführung
Säge. Baumstämme konnten durch Teilung Mehrwert erzielen. Mit der Säge
bearbeitet, begann die Optimierung vom Baustoff Holz. Aus ganzen Bäumen wurden
Halbe, die Hälften wurden wieder
halbiert und so weiter.
Zunächst folgte die Dimensionierung der Holzbauteile den Erfahrungen aus vergangener Bauweisen. So kam es nach Hausbockschäden dazu, die Holzbauteile beim nächsten mal wieder größer zu dimensionieren. Mit der Einführung des Buchdrucks überlieferte und entwickelte sich ein gewisses Fachwissen von Baumeister zu Baumeister, was nun "schwarz auf weiß" jederzeit nachlesbar seinen Niederschlag fand.
Statische Berechnungen, wie sie heute durchgeführt werden, bei denen die materialspezifischen Festigkeiten berücksichtigt werden, gibt es noch nicht so lange.
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Telefonbuch als Balkenmodell. Fotos: Rüpke |
Das Telefonbuch stellt nun den das Modell eines Holzbalkens dar.
Durch Beugung der Hände wird nun eine Last obenauf simuliuert. Das Buch biegt sich nach unten. Dabei werden Verschiebungen an den Seitenbündeln erkennnbar. Die obersten Seiten versuchen nach oben auszuweichen, sie stauchen sich, hier also ist Druck zu spüren. Die untersten Seiten haben das Bestreben aus den Fingern zu gleiten, hier herrscht Zug. Die Seitenblätter in der Mitte blieben fast regungslos. Dort ist weder Druck noch Zug.
bxh = 8x20cm Soll = Ist Foto: Rüpke |
Druckkräfte (blau) und Zugkräfte (rot). In der Mitte ist Ruhe, eine neutrale Zone ohne Druck und Zug. |
Soll = 8x20cm Ist = 7x19cm Querschnitts- verlust rd. 19% ! Foto: Rüpke |
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Nur am oberen Rand und am unteren Rand treten spürbar Belastungen auf. Druck- und Zugkräfte. In der Mitte ist Ruhe, eine neutrale Zone ohne Druck und Zug.
Diese Kraftverteilung (im rechten Bild) wurde auf den Querschnitt des Holzes als Diagramm übertragen. Sinnbildlich sieht es nun aus, wie zwei übereinander gespiegelte Dreiecke. So wäre der statisch erforderliche Querschnitt hier als Soll-Querschnitt (incl. Sicherheit) darstellbar. Da sich aber Vollholzquerschnitte schlecht in dieser Form ausführen lassen, (das Sägewerk kennt nur gerade Sägeschnitte) sind sie meist rechteckig.
Die Darstellung eines nur geringen Schadens von seitlich ca. 5 mm im linken Bild zeigt (dunkler hinterlegt) idealisiert den Substanzverlust nach einem geringen Befall durch den Hausbock. Die Ecken werden abgerundet, weil hier sicher nur (leckeres) Splintholz liegt. Der (hellere) verbleibende Ist-Querschnitt entfernt sich schon deutlich vom Soll-Querschnitt (im rechten Bild). Damit wurden wenigstens die im Soll-Querschnitt verborgenen Sicherheiten von der Hausbocklarven aufgefressen. Vergrößert man nun den Schaden auf eine Tiefe an den Splintseiten auf 2-3 cm im Holz wird die Sache brenzlig. Der Verlust übersteigt schnell 50% !
(Daß der Fachmann hierzu auch andere Lastfälle und andere Lagebedingungen kennt, soll hier der Einfachheit wegen ganz bewußt bei Seite gelassen werden.)
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| Bauphase |
| Nachweisberechnung zur Standsicherheit der Baukonstruktion = Sollvorgabe der Holzquerschnitte |
Der Planer übernimmt die Sollquerschnitte und gibt sie dem Zimmermann vor. Danach wird gebaut.
| Soll-Querschnitte der Planung = Ist-Querschnitte beim Bau = Baugenehmigung wird befolgt |
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| Schadensfall |
| Hausbockbefall = Substanzverlust = Querschnittsverminderung = nicht mehr bestimmungsgemäß |
Das ist die wichtige Erkenntnis, die direkt zur nächsten überleitet: je mehr Hausbockbefall, um so mehr verliert das Konstruktionsholz an seinen Eingenschaften, die Baukonstruktion zu tragen und/oder auszusteifen. Substanzverlust bedeutet hier Verlust der tragenden und/oder aussteifenden Wirkung.
| Verminderung des Querschnittes = Verminderung der tragenden und/oder aussteifenden Wirkung |
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Der Substanzverlust nach einem Hausbockbefall am Konstruktionsholz ist hier im Querschnitt deutlich erkennnbar. Die einmal mit der Baugenehmigung vorgegebenen Querschnitte sind nicht mehr vorhanden. Es ist hier ein gegen die Bauordnung bestimmungswidriger Zustand eingetreten, der bei Kenntnis unverzüglich zu Maßnahmen zwingt. Die einst ergangene Baugenehmigung deckt diesen Zustand nicht mehr ab ! Foto: Rüpke |
Links der Ist-Zustand nach Hausbockbefall: geblieben vom statischen Querschnitt
ist ein Rest Querschnitt, hier nur der Kern. Rechts der Soll-Zustand am
Austauschholz mit statisch nötigem Ersatz Querschnitt (aus
Baugenehmigung).
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Mit dem Schaden nach einem Hausbockbefall wissen wir nun, ein Verlust an Holzsubstanz ist unzweifelhaft gegeben und der ursprügliche, mit der Statik errechnete und nach der Baugenehmigung verbaute Holzquerschnitt ist gemindert.
Es werden nun praktisch 2 Schritte nötig:
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| Dachstuhl mit Hausbockbefall - Bekämpfung oder Erneuerung, auf jeden Fall konstruktive Verstärkung |
Bislang haben wir nichts von Bekämfung geschrieben. Der Grund ist einfach; weder chemisches Gift oder eine thermische Bebandlung können einen zerfressenen Balken wieder tragfähig machen !
Uns geht es hier aber in erster Linie um die einwandfreie tragende Baukonstruktion. Deshalb wird zunächst das konstruktive Problem hinterfragt, um zu verhindern daß nach voreiligen Reparatur- und Bekämpfungsversuchen am Ende doch ein neues Dach bestellt werden muß (und Lehrgeld anfällt).
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Nötig ist, vor Ort die Maße des Substanzverlustes (durch Einstechen etc,) zu nehmen und in einem Formblatt aufzunehmen, woraus gleich anschließend der Querschnittsverlust angegeben werden kann. Das Ganze dient dann nicht nur als Dokumentation und Grundlage für die nötige Berechnung des Statikers, sondern auch als erste Entscheidungsgrundlage bei der Überlegung: Reparatur oder Erneuerung.
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Beispiel für ein vorbeitetes Formblatt z.B. in einer Tabellenkalkulation,
mit der Möglichkeit nach Eingabe der örtlich aufgenommenen Maße den
Restqeurschnitt zu ermitteln und zur Dokumentation für die Berechnung des
Statikers.
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