Der Hausbock -Biologie und Zyklus
Duftstoffe
bestimmen den Ort der Paarung und Eiablage
Fraßaktivität akustisch erkennen (Bio-Akustik)
|
|
|
Hausbock: Larve, Puppe, Käfer. Fotos: Wenk |
|
Zyklus des Hausbocks mit den Stadien: Eier - Larve - Puppe - Vollinsekt (Imago) |
Heutige Holzschutmittel sind langsam oder verzögert wirksam. Somit ist eine schnelle erfolgreiche Bekämpfung des Hausbocks im Zeitraum nach der Eiablage, Eilarve, der Larve und Puppe nur sehr bedingt zu erwarten, da der Hausbock dann im Holz versteckt schwer erreichbar ist. Die hier angreifenden Mittel wirken als Fraßgifte ohnehin verzögert bzw. langsam und sind schwer ins trockene Holz einzubringen und dort zu verteilen. Die Larven werden daher nur zu einem begrenzten Prozentsatz (max. 80%) erreicht und ein Leben nach der Bekämpfung ist noch lange - über Jahre - möglich.
|
|
|
Imago des Hausbockkäfers auf der Suche nach Partnerschaft für die Nachkommernsvorsorge |
|
2-3 Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven, um sich sogleich ins Holz zu fressen. |
Es gab auch Ansätze und Überlegungen, über Kairomone die Insekten "süchtig" zu machen.
(siehe auch: Chemische Ökologie - Anwendung in der Schädlingsbekämpfung, von Prof. Dr. Konrad Dettner, Uni Bayreuth, in biologen heute Vol. 1/2000)
Neue Forschungen ergaben tiefere Einblicke in das Paarungsverhalten des Hausbocks. Allein das Männchen bestimmt den Platz und somit den Zeitpunkt der Eiablage - ohne ihn weiß das Weibchen nicht, wohin. Neu erkannt wurde, dass neben dem Sexuallockstoff des Männchens auch der Duft der entsprechenden, für die Eiablage aussichtsreichen Holzart vorhanden sein muß. Auch hierfür ist ein spezieller, den Holzduft empfangender Rezeptor an den Antennen des Weibchens vorhanden. Nur dann "schleicht" sich das Weibchen dorthin, um zu kopulieren und abzulegen.
Der männliche Hausbock muss natürlich den geeigneten Platz zur Eiablage zunächst selbst erreichen, um dem Weibchen das entscheidende Signal geben zu können. Es hilft ihm dabei ebenfalls ein Antennenrezeptor, der aber den Geruch von Holz aufnimmt. Je frischer das Holz, desto intensiver der Duft, der von ihm ausgeht, da Terpene, ätherische Öle und Harze noch in der unmittelbarsten, obersten Holzschicht enthalten sind. Diese Stoffe verflüchtigen sich im Lauf der Jahre, das Signal für den Käfer wird immer schwächer. Daher bestätigt sich nun die bislang nur statistisch belegte Erkenntnis, warum über 60 Jahre altes Holz wesentlich seltener angegriffen wird.
|
Vom Hausbock gern gesehen - die kleineren Trockenrisse im Holz. Foto: Rüpke |
Der Ansatz der Forschung liegt hier: Wenn das Holz durch den Eigengeruch seine Feinde selbst anlockt, kann ein diesen Holzduft maskierender Ersatzstoff die Schädlinge fehlleiten? Denn würde das Hausbockmännchen derart vom eigentlichen Holz abgelenkt, dass er ein stärkeres Signal als den "natürlichen Holzgeruch" erkennt (etwa eine Lockstofffalle), wird in der Folge auch das Weibchen fehlgeleitet. Ob es dann in die Falle geht, die Begattung gestört wird oder die Eiablage an einem "falschen" Ort erfolgt, das wäre noch zu erforschen. Würde das Holz durch Maskierung fehlleitender Gerüche erst gar nicht erkannt, bliebe zumindest dieses Holz unversehrt.
1943 berichtete Günther Becker über die Prüfung des Geruchssinnes vom
Hausbock auf verschiedene Duftstoffe am Nadelholz, vor allem die im Kiefernholz
vorkommenden ätherischen Öle:
"Zumindest der größte Teil der geprüften
Duftstoffe wird von den Hausbockweibchen wahrgenommen. Die Wirkung auf die
Eiablage jedoch ist sehr verschieden. Neben Stoffen, die das Verhalten der Tiere
gar nicht beeinflussen, und abschreckenden gibt es einzelne, die - wenigstens in
geeigneter Duftstärke - die Weibchen anlocken und den Platz der Eiablage
bestimmen.
|
|
|
|
|
Die Mandibeln der Hausbocklarve. Sie erzeugen das typische Fraßgeräusch Foto: Wenk |
Die Form der Frasswerkzeuge der Hausbocklarve führt zum Platzfrass mit typischer Rippelmarkierung. Foto: Rüpke |
Die Fraßgeräusche des Hausbocks sind oft das Erste, was vielerorts auf seine Anwesenheit hindeutet.
Gleichzeitig sucht der Sachverständige nach diesen Fraßgeräuschen in Umkehr als Befallsnachweis, wenn er nicht umständlich das ganze Holz auseinanderbauen will, um eine Larvensuche zu betreiben.
|
Hochsensibles Sensor und Verstärkersystem für Körperschall und Vibrationsdetektion. Geeignet für Untersuchungen an Hausbock (auch Eilarven), Asiatischer Laubholzbock, Moschusbock, Pappelbock, Weidenbohrer (Angaben und Bild vom Hersteller) |
In der Welt der singenden Vögel und Insekten ist der Umgang mit akustischen Spürverfahren und die Identifizierung bestimmter Gesänge anhand von seziellen Datenbanken Gang und Gebe.
Gesang bereitet bekanntlich Freude und erwärmt das Herz. Bei den holzzerstörenden Insekten, wo es zwar einen hohen wirtschaftlichen Wert hätte, gibt es aber weder Gesang noch Ansätze, solche akustischen Identifiktionsverfahren als praktischen und sicheren Befallsnachweis durchzusetzen.
Hausbock, Hylotrupes bajulus , fressende Larve, |
|
|
|
Aufnahme mit
AED-2000
|
bereitgestellte Aufnahme mt
WD60
|
|
|
| Suchhunde zum Aufspüren von Hausbockbefall |
Die Wahrnehmung fressender Larven auf akustischem Weg kann also ein erheblicher Vorteil sein, in der Frage, ob etwa in einem Dachstuhl ein inaktiver Schaden voliegt oder es sich um einen aktiven Befall handelt. Jede Käferart gibt auch im Larvenstadium ein ihm eigenes Fraßgeräusch ab. Dies kann mit geeigneter Technik aufgenommen und ausgewertet werden. So ist eindeutig festzustellen, ob Knabbergeräusche verursachende Larven leben und Holz zerstören.
Hierzu durchgeführte Forschungen liegen auf Eis (verschlossen im Schreibtisch) oder sind aus diversen Gründen nicht weiterverfolgt worden. Mal war es nicht ihre Aufgabe, sich damit zu beschäftigen, mal fehlte das nötige Geld für das Entscheidende, wie frei zugängliche Geräuschdatenbank , technische Daten für die einfache Ausrüstung etc.