Termiten
europäische Erdtermiten (Bodentermiten) der Gattung
Reticulitermes (Rhinotermididae)
Ein Überblick über Termiten und das Vorkommen von Erdtermiten
in Europa, sowie die Möglichkeiten, sich ihrer zu erwehren.
Termiten
Termiten sind holzfressende Insekten von großer Gefräßigkeit,
die auf allen Kontinenten der Welt verbreitet sind (mit Ausnahme der Antarktis,
wenn man sie zu den Kontinenten zählt). Ihr ursprünglicher Lebensraum istder
Wald, wo sie mit Fleiß ihre Arbeit verrichten und das tote Holz wieder in den
natürlichen Kreislauf zurückführen. 2868 verschiedene Arten sind katalogisiert,
aufgeteilt in sieben Familien. Dank moderner Techniken der Artenidentifizierung
mittels DNA und der Analyse von "cuticular hydrocarbons" (cuticulare
Kohlenwasserstoffe), werden die Statistiken immer präziser.
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Familien
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Anzahl Gattungen
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Anzahl Arten
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Hodotermitidae
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3 |
19 |
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Kalotermitidae
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21 |
449 |
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Mastotermitidae
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1 |
1 |
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Rhinotermitidae
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13 |
360 |
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Serritermitidae
|
2 |
3 |
|
Termitidae
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241 |
2015 |
|
-- Apicotermitinae
|
42 |
208 |
|
-- Foraminitermitinae
|
2 |
9 |
|
-- Macrotermitinae
|
13 |
362 |
|
-- Nasutitermitinae
|
80 |
576 |
|
-- Sphaerotermitinae
|
1 |
1 |
|
-- Syntermitinae
|
12 |
99 |
|
-- Termitinae
|
90 |
760 |
|
Termopsidae
|
5 |
21 |
|
Gesamt
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286
|
2868
|
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Quelle: http://www.unb.br/ib/zoo/docente/constant/catal/catnew.html
|
Tagtäglich erscheinen in den verschiedenen Erdteilen, in denen
diese Insekten vorkommen, wissenschaftliche Veröffentlichungen über Termiten.
Interessant ist dabei, dass die Anzahl der Veröffentlichungen proportional zur
Anzahl der Orte steigt, die von Termiten bevölkert werden.
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| Ausbreitung der Termiten in der Welt. Quelle: Dow
Agrosciences Company |
Insbesondere aufgrund des Klimawandels und der Globalisierung,
verbreiten sich diese Insekten mit immer größerer Schnelligkeit und Leichtigkeit
und passen sich dabei perfekt den neuen Lebensräumen an. Allgemein bekannt wurden
Fälle, bei denen Termiten in Küstenregionen (z.B. in Hamburg oder Barcelona)
aufgetreten sind, eingeschleppt durch Schiffe mit importiertem Holz. In anderen
Fällen ist es der Mensch selbst, der in ihr Territorium eindringt, indem er
Forst- in Stadtgebiete verwandelt, ohne die Insekten um Erlaubnis zu
bitten.
In verschiedenen Ländern, wie den USA oder Australien und im
Mittelmeerraum, d.h. Spanien, Frankreich, Italien, Portugal, etc. gehören
Termiten unter den Bauholz zerstörenden Organismen zu denen, die große Schäden
anrichten. Dieses Problem breitet sich immer mehr aus und erfordert die
Zusammenarbeit aller Parteien. Zwar geht man davon aus, dass nur 5% aller
Termiten Schäden im urbanen Raum verursachen (Städte, Dörfer, etc), was einen
allgemeinen Alarm nicht rechtfertigen würde, trotzdem gilt es, die gegenwärtige
Untätigkeit einem Insekt gegenüber zu vermeiden, was sehr schwerwiegende
Konsequenzen haben kann, nicht nur in Form von Schäden an Holzkonstruktionen,
sondern auch an wertvollen Kunstobjekten.
Termiten können beträchtliche Schäden an allen Elementen einer
Holzkonstruktion, wie z.B. Balken, Pfosten oder anderen Holzbauteilen sowie an
Papieren, Kleidung, etc. anrichten.
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Von Fäulnis, hervorgerufen durch
eindringendes Regenwasser, und Termiten befallenes Schwellenholz. Von der
Bedachung einer Kirche im Norden Spaniens (Ferrol) ist nur der
Splintholz-Teil vernichtet. Die Termiten befallen zwar sowohl das Kern- als
auch das Splintholz, allerdings sind sie extrem wählerisch. So bevorzugen sie
zum Beispiel einige Holzarten gegenüber anderen oder auch das Splintholz
gegenüber dem Kernholz. Zu ihren bevorzugten Speisen gehören die
nahrhaftesten Holzarten (Splintholz und solche mit vielen Nährstoffen),
möglichst von Fäulnis befallen, aber ohne schädliche oder abstoßende
Substanzen. Foto: Oscar G. Prieto. |
Aufgrund ihrer durchsichtigen weißen Farbe werden sie auch oft
als "weiße Ameisen" bezeichnet. Wenn sie ihren Bauch mit Holzmaterial füllen,
können sie auch eine braune Färbung annehmen. Sie sind soziale Insekten, die in
Kolonien, Nestern oder Termitenhügeln leben, wobei sie strikt in Kasten
eingeteilt sind, die verschiedene Arbeiten verrichten. Sie sind ein
Paradebeispiel für "die Stärke" der "Teamarbeit". In Europa sind sie insbesondere
im Mittelmeerraum verbreitet, allerdings gibt es eine deutliche Tendenz für ihre
zunehmende Ausbreitung Richtung Norden.
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Anfangs meinte man, dass nur eine der Familie
Rhinotermitidae
zugehörige Gattung in Europa existierte, die sogenannte
Reticulitermes
lucifugus
.
Neue Analysen zeigen, dass dem nicht so ist. Heutzutage geht man davon
aus, dass 6 Gattungen und eine Unterart dieser Familie in Europa vorkommen.
Reticulitermes grassei
und
Reticulitermes lucifugus
sind die
verbreitesten. Die Gattung der
Reticulitermes banyulensis
entwickelt
sich problemlos in der Gegend von Katalonien. Kolonien von
Reticulitermes urbis
und
Reticulitermes flavipes
, letztere
ursprünglich aus den USA, sind in lokal begrenzteren Gebieten gefunden
worden, die sich sehr von dem urprünglichen Lebensraum unterscheiden
können, wie z.B. Hamburg. Zuletzt die Gattung
Reticulitermes
corsicus
, die auf den Inseln Sardinien und Korsika auftritt.
Die letzten Nachrichten, zu dieser Landkarte, sagen, dass in
Großbritannien gefundenen Kolonien ausgerottet sind. Es wurden anscheinend
auch Kolonien in Serbien, Kroatien, Slovenien, etc. gefunden, aber zur Zeit
sind sie noch nicht ausreichend untersucht.
Quellen: Kutnik, M. 2009 und Climent J.L., 2001.
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In der Praxis teilt man die Termiten in zwei große Gruppen ein:
die Erdtermiten (in Europa Gattungen der Familie
Rhinotermitidae
) und die
Trockenholztermiten (in Europa Gattungen der Familie Kalotermitidae).
Trockenholztermitenkolonien der Art
Kalotermes flavicollis
wurden quer
über die gesamt iberische Halbinsel gefunden. Die Art der
Cryptotermes
brevis
ist auf den kanarischen Inseln verbreitet und es wird gerade
angefangen, in Barcelona und Valencia aufgetretene Exemplare zu katalogisieren
(vielleicht haben sie einen Billigflieger genommen!). Man kann auch "spezielle"
Arten in Europa finden, die aus anderen Kontinenten eingeschleppt werden, auch
nach Deutschland!
Beide Arten können Holzelemente oder -konstruktionen im
Gebrauch beschädigen, wobei die Erdtermiten die gefährlicheren sind, insbesondere
aufgrund der Größe der Kolonie, die bis zu einer Million Tiere umfassen kann und
weil im allgemeinen ihre Termitenhügel in den Boden gebaut sind und sie nur zur
Nahrungsaufnahme zum Holz kommen.
Erdtermiten und
Trockenholztermiten
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Trockenholztermiten
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Erdtermiten
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Ausgewachsene Arbeiterin der
Kalotermes
flavicollis
. Sie unterscheidet sich von ihrer Verwandten der
Reticulitermes spp
. durch: 1. Viel größere Größe im Endstadium, die
bis zu 7 mm Länge erreichen kann. 2. Besitz eines Pronotums (roter Pfeil),
das genauso breit ist wie ihr Kopf. 3. Antennen, die aus weniger als 14
Segmenten bestehen. 4. Sie lebt in trockeneren Bedingungen (aber sie braucht
auch ein wenig Wasser) und in sehr kleinen Kolonien (ungefähr 100
Individuen), ohne einen so ausgeprägt unterirdischen Charakter. Sie bildet
ihr Nest direkt in dem Bereich, der angegriffen wird. Hier im Totholz einer
Weinrebe eingesammelt am Fluss Sil in der Provinz Ourense (Spanien). Foto:
Oscar G. Prieto.
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Hier eine erwachsene
Arbeiterin der
Reticulitermes grassei
, gesammelt in der Stadt Santiago
de Compostela (Spanien). 1. Mit maximal einer Länge von 5 mm im Endstadium
ist sie kleiner als die Trockenholztermiten. 2. Sie besitzt ein Pronotum
(roter Pfeil), das nicht so breit ist wie ihr Kopf. 3. Ihre Antennen bestehen
aus 14 Segmenten oder mehr. 4. Ihre Kolonien können bis zu einer Millionen
Tiere umfassen. Die Arbeiterinnen bilden die zahlreichste Kaste der Kolonie.
Ihre Hauptarbeit ist es, den Termitenstaat und die Larven zu ernähren, zu
putzen und zu versorgen. Foto: Óscar G. Prieto.
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Soldat der
Kalotermes
flavicollis
. Sie sind durch ihre großen und kräftigen Mandibeln eindeutig
zu erkennen. Die absolute Länge variiert von einem Soldaten zum anderen,
wobei eine Länge zwischen 7 und 8 mm normal ist. Ihre Aufgabe ist die
Verteidigung, obwohl sie völlig blind sind. Die Mandibeln mit einer Länge von
1,5 mm weisen Überreste marginaler Zähne auf (roter Pfeil), sehr
charakteristisch für diese Soldaten, wobei sich drei in ihrer linken Kinnlade
und zwei (oder einer) in der rechten befinden. Foto: Oscar G. Prieto.
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Soldat der
Reticulitermes grassei
,
seine Größe erreicht normalerweise maximal 5 mm. Sie haben kürzere Mandiblen,
von ungefähr 1 mm Länge und die marginalen Zähne (roter Pfeil) fehlen
vollständig. Ihre Funktion besteht darin, die Kolonie zu beschützen. Sie sind
eine Kaste, die in Situationen, in denen sich die Kolonie nicht bedroht
fühlt, nicht existieren kann. Unter normalen Bedingungen machen sie zwischen
1 und 2 % der Gesamtzahl der Tiere aus. Sie können sich nicht selbstständig
ernähren, sondern sind diesbezüglich völlig von den Arbeiterinnen abhängig,
wobei sie sich des Phänomens der Trophallaxis bedienen (Phänomen, auf das die
Lockmittelsysteme gegründet werden). Foto: Óscar G. Prieto.
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Geflügeltes Exemplar der
Kalotermes
flavicollis
, jetzt wissen wir warum die Termiten auch "gelber Hals"
genannt werden (roter Pfeil). Sehr charakteristisch, auch im Gegensatz zu den
Ameisen, ist diesen Tieren ist der gelbe Farbton der Beine (blauer Pfeil),
farblich passend zum Hals. Sie erreichen bis zu 11 mm Länge, wobei mehr als
50% der Länge auf die Flügel zurückgeht. Nach dem Hochzeitsflug,
vorausgesetzt er war erfolgreich, verlieren sie ihre Flügel und sorgen primär
für die Fortplanzung. Foto: Óscar G. Prieto.
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Geflügeltes Exemplar der
Reticulitermes grassei.
Während der Monate Februar und April läuft die
Aktivität in den Termitenbauten auf Hochtouren. Eine bestimmte Anzahl von
Termiten (abhängig von der Größe der Kolonie) bekommt Flügel und eine dunkle
Farbe. Ihre Größe erreicht eine Länge von ungefähr 9 mm, wovon 70% auf die
Flügel zurückgehen. Sie versammeln sich im Termitenbau, um, wenn die Licht-
und Temperaturbedingungen ideal sind, den Hochzeitsflug oder "Schwarm" zu
beginnen. Foto: Óscar G. Prieto.
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| Quervenen in den Flügeln. Foto: Óscar G.
Prieto |
Flügel ohne Quervenen. Foto: Oscár G.
Prieto |
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| Typische Exkremente in Form
einer Wassermelone oder eines sechskantigen, geriffelten Rugbyballs. Es gibt
keine Lehmkanäle. Foto: Óscar G. Prieto. |
Hier Teile von Lehmkanälen, die für die
Fortbewegung benutzt werden. Das Material dafür wird von den Arbeiterinnen
ausgewürgt und auch benutzt um Kanäle zu verstopfen. So vermeiden sie Licht
und Luft. Foto: Óscar G. Prieto |
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| Charakteristisches Bild für
Trockenholztermiten. Von einem sehr feinen Sägemehl völlig blockierte runde
Gänge. Das Bild gehört zum Stamm eines Apfelbaums in lebendem Zustand, obwohl
seine produktive Fähigkeit ernsthaft beeinträchtigt ist. Foto: Oscár G.
Prieto. |
Typisches Schadensbild in
"Buchform", ähnlich einer Struktur von Buchseiten. Genau wie
Xestobium
rufovillosum
, hinterlassen Termiten in vielen Bereichen das Spätholz,
ohne es zu vernichten. Foto: Oscár G. Prieto.
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Erdtermiten (
Reticulitermes
spp
.)
"aber sie können fliegen..."
Biologie einer Kolonie
Die Fortplanzung der Kolonie geht in jedem Termitenbau im Allgemeinen von
einem einzigen Paar aus. Dieses ist eingeschlossen in der königichen Kammer, wo
das fruchtbare Weibchen einen riesigen mit Eiern gefüllten Hinterleib entwickelt,
die es ununterbrochen legt.
Die Ernährung der Termiten basiert auf Zellstoff, der im Holz enthalten ist
und den sie mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen abnagen und auf Flagellaten, die
in ihrem Magen leben und den für die Termiten selbst unverwertbaren Zellstoff
verdauen.
Zu den Flagelaten ein Filmausschnitt:
(12:17 Min für Real Media
Player. Qu.: IWF Wissen und Medien gGmbH Göttingen: Symbiontische
Flagellaten in Termiten
http://www.iwf.de video C1790
)
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Die meist verbreiteste Gattung der Erdtermiten in Europa ist die
Reticulitermes spp
.
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Lebenszyklus der Erdtermiten. Ein Lebensweg, der den gleichen
Ausgangs-punkt hat und der in einigen Fällen eine Umkehr ermöglicht.
Quelle: Biología y control. David Mora. (ISS Facility Services)
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Die Entwicklung der Termiten durchläuft eine besondere Metamorphose. Das
fruchtbare Weibchen bzw. die Königin legt Eier, die Nymphen, die verschiedene
Entwicklungswege einschlagen können, zum Arbeiter, Soldaten oder sogar zum
geschlechtlichen Individuum (Geschlechtstier).
In einer Kolonie oder einem Termitenbau gibt es im allgemeinen drei Kasten:
die Geschlechtstiere, die Soldaten und die Arbeiter (bei bestimmten Gattungen
oder unter gewissen Umständen existiert die Soldatenkaste nicht).
Normalerweise wird eine Termitenkolonie in den ersten Entwicklungsstadien von
einem einzigen ursprünglichen Paar von sexuell reifen geschlechtlichen Tieren,
dem königlichen Paar, gebildet, die die Vorgänger von allen anderen Mitgliedern
der Kolonie sind. Während des ersten Jahres ihres reproduktiven Lebens legt die
Königin nur wenige Eier, aber die Eierstöcke vergrößern sich mit der Zeit
(schrittweise), wodurch sich der Körper verlängert und ausweitet. Als Konsequenz
steigert sich die Fähigkeit, Eier zu legen, rasant und die Anzahl der Tiere in
der Kolonie steigt schnell auf sogar mehrere Tausend. Die Neotecnicos oder die
sekundären Geschlechtstiere, die auf natürliche Weise oder gezwungenermaßen die
Fähigkeit entwickeln, Eier zu legen und somit die primären Geschlechtstiere oder
Könige der Kolonie ersetzen oder die gleiche Funktion einnehmen. Dies findet
statt, wenn eine bestimmte Anzahl von Termiten die königlichen Pheronome nicht
mehr wahrnehmen. Dieses Phänomen ermöglicht es, dass eine Konolonie unendlich
lange überleben kann und erklärt auch, warum die Satelitengruppen, isoliert vom
zentralen Kern, neue Kolonien darstellen. Dieser Effekt, dass sich verschiedene
Gruppen abspalten, ist auch regelmäßig bei chemischen Behandlungen zu
beobachten.
Die Fähigkeit der Termiten, sekundäre- und/oder tertiäre Geschlechtstiere
(Neotecnicos) zu auszubilden, ermöglicht die unbegrenzte Existenz einer
bestehenden Kolonie, solange die Lebensmittelversorgung und die Umweltbedingungen
(insbesondere Feuchtigkeit und Temperatur) angemessenen sind. Abgesehen davon
darf sich die Kolonie weder von Ameisen oder anderen Feinden bedroht fühlen, noch
einen Milbenbefall erleiden, der die Kolonie verkleinert. Beides sind Motive, die
den Umzug zu anderen Nährstoffquellen hervorrufen würden. Ein anderes mögliches
Resultat wäre, dass ein Teil der Kolonie isoliert wird und einige Mitglieder
schnell die Fähigkeit erwerben, Eier zu legen um eine neue Kolonie
aufzubauen.
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Milben im hinteren Teil (Unterkörper) einer geflügelten
Reticulitermes grasssei. Sie sind klare Anzeichen von Verkleinerung der
Kolonie. Diese Parasiten, die häufig bei Kolonien in Gefangenschaft auftreten
(z.B. im Labor), sind bei natürlichen Kolonien untypisch, da Säuberung und
letztendlich, der Umzug eines Botschafterkerns zu anderen Ernährungsquellen
von den Termiten angewandte Methoden sind, um das Auftreten von Milben zu
verhindern. Man untersucht eine biologische Methode der Eindämmung durch
Milben, aber das Ausrotten einer Kolonie ist damit schwer möglich. Foto:
Oscar G. Prieto. |
Neben der Königin gibt es normalerweise geflügelte Sekundär- oder
Tertiärgeschlechtstiere, die auch Eier legen, aus denen die Nymphen schlüpfen,
die sich wiederum in Arbeiter, Soldaten, geflügelte oder andere Geschlechtstiere
entwickeln.
Die Soldaten sind eine mit dem Schutz der Kolonie beauftragte Kaste. Sie sind
ungeflügelt, ungeschlechtlich und blind (Geschlechsteile und Augen sind
verkümmert) und variieren in ihrer Länge zwischen ungefähr 5 mm (Erdtermiten) und
mehr als 7 mm (Trockenholztermiten). Diese Tiere sind deutlich an ihren großen
Mundwerkzeugen (Mandibeln) erkennbar, die ihnen ausschließlich zur Verteidigung
und zum Kampf dienen, nicht um sich zu ernähren oder das Holz zu durchbohren.
Die Arbeiter haben kaum sichtbare Mundwerkzeuge, die aber besonders darauf
ausgelegt sind, Holzsplitter zu kauen und Holzfasern zu zerkleinern. Ihre
vollständige Entwicklung dauert ungefähr ein Jahr. Sie können mehrere Jahre
leben, gemäß einiger Autoren bis zu neun Jahren (Buchli 1958). Ihre Ernährung
hängt insbesondere vom
Zellstoff
in den Zellwänden ab. Allerdings sind sie
selbst nicht in der Lage, den Zellstoff zu verwerten, daher gehen sie mit den
Flagellaten, die in ihrem Magen leben und das Holz verdauen, eine Symbiose
ein.
| Diese Arbeiterkaste ist verantwortlich für die Ernährung der Kolonie,
Konstruktion der Struktur des Termitenbaus, Suche neuer Nahrungsquellen und
das Behüten der Eier und Larven. Sobald sie die Nahrung verdaut haben, wird
sie an den Rest der Kolonie weitergegeben, wobei sie sich des so genannten
Phänomens "Tropahallaxis" bedienen. Dies ist die zoologische Bezeichnung für
die Weitergabe von erbrochener Nahrung von einem Tier zum anderen. Auf diese
Weise, wird die schon verdaute Nahrung in Gestalt von Speichelabsonderungen
ausgewürgt oder ausgeschieden und anderen Tiere der Kolonie zugänglich
gemacht. Durch dieses Phänomen übertragen sich auch giftige
Verdauungssubstanzen der zur Ausrottung verwendeten Lockmittel auf alle Tiere
der Kolonie. Die schädlichen Zusammensetzungen der Lockmittel unterscheiden
sich je nach Besonderheit der Kolonie. Obwohl es noch nicht vollständig
belegt ist, haben verschiedene Studien gezeigt, dass die Termiten neben der
Absonderung von Körpersekreten oder Ausdünstungen (Pheromone) mittels
Vibrationen und/oder Bewegung miteinander kommunizieren (ähnlich der Bienen),
was auch dazu dient, die Körper der Insekten frei von Schimmel, Myzelien oder
Milben zu halten. |
Im Gegensatz zu den Erdtermiten haben die Trockenholztermiten keine
spezialisierte Arbeiterkaste, die unreifen Nymphen verrichten stattdessen die
verschiedenen Arbeiten der Kolonie. Nach einer Periode der Dienerschaft reifen
diese Nymphen zu Soldaten oder geflügelten Tieren heran.
In jeder Kolonie, die älter als 2 Jahre ist, findet man zu bestimmten
Jahreszeiten geflügelte Termiten, normalerweise im Frühling. Jedes Tier braucht
ungefähr 3 Monate für seine Umwandlung von Nymphe zum geflügelten Tier. Danach
wartet es auf die Umwandlung der restlichen Nymphen in Geflügelte, bis die Anzahl
ausreicht, um mit dem Hochzeitflug zu beginnen. Sie ähneln jetzt den gängigen
fliegenden Insekten, da sie eine relativ flache Form haben, mit einem dunklen
Körper, große, schwarze und facettenartige Augen, während ihre Beine ihre
gelbliche Farbe behalten. Fälschlicherweise werden sie oft als "Flugameisen"
bezeichnet.
Die Flüge oder das Schwärmen dieser Geflügelten finden normalerweise einmal
pro Jahr statt, selten und abhängig von der Größe der Anfangskolonie, können es
auch zwei Mal pro Jahr sein. Der genaue Zeitpunkt des Schwärmens hängt von den
Außenbedingungen, insbesondere von Helligkeit, Temperatur und Feuchtigkeit ab,
wobei sie solange in der Ausgangskolonie warten, bis diese optimal sind. Der
geeignete Zeitpunkt ist normalerweise in den Frühlingsmonaten. Die Flüge sind
kurz, von einigen Autoren werden sie "Todesflüge" genannt, weil die Termiten
währenddessen häufig von Vögeln, Ameisen, Spinnen, etc. gefangen werden. Wenn sie
erfolgreich sind und einen Ort mit optimalem Holz finden, legen sie ihre Flügel
ab und zwei der Tiere paaren sich und gründen so eine neue Kolonie.
Art der Nahrungsaufnahme
Die Protozoen Flagellaten leben in einer symbiotischen Verbindung und in
Koexistenz mit Bakterien und Pilzen im Enddarm in der sogenannten Gärkammer,
einem Beutel oder Darmdehnung der Termiten
(Sehen Sie dazu eine Filmsequenz:
http://www.iwf.de Video C1790
).
Sie produzieren eine zähe, anaerobe Flüssigkeit. Die Termiten reissen
Holzfasern mit den Chitinmandibeln ab, schlucken die Partikel und zerreiben sie
nochmals auf Höhe des Thymus. Anschließend wandert das Holz weiter zum Magen oder
Mitteldarm, wo es durch protein- (proteolitische) und stärkespaltende
(amylolytische) Enzyme zersetzt wird. Von hier gelangt es in die Gärkammer, wo es
die Protozoen mit ihrem Hinterleib aufnehmen. Das Zytoplasma der Protozoen greift
den Zellstoff an, der durch anaerobe Gärung in Traubenzucker gespalten wird. Von
diesen wiederum ernähren sich die Protozoen und wandeln ihn letztendlich in
Essigsäure, kohlenstoffhaltiges Anhydrid und Wasserstoff um. Sowohl die Säure,
wie auch der Traubenzucker werden von den Termiten aufgenommen und versorgen sie
mit Energie. Neuere Studien untersuchen diese Art Holz abzubauen, um sie für
mögliche Anwendungen in der Industrie und sogar für die menschliche Ernährung zu
nutzen.
Die Soldaten werden proktologisch (Trophallaxis) ernährt. In dem Fall, dass
das königliche Paar fehlt, ermöglichen diese Speichelabsonderungen das
Verschwinden der Protozoen einer Arbeiterin und sie kann Eierstöcke entwickeln
und Eier legen; dieses Phänomen wird als "Neotenie" bezeichnet.
Besondere Angewohnheiten
Man kann davon ausgehen, dass uns das Verhalten der Termiten noch recht
unbekannt ist. Da die Termiten Freiluft vermeiden und völlig isoliert von der
Außenwelt leben (außer während des kurzen Hochzeitfluges), gibt es nach Aussen
wenig Anhaltspunkte für ihre Anwesenheit im Holz, selbst wenn das Holz im Inneren
bereits völlig vernichtet ist.
Als Instinkt vernichten sie das Holz nie so sehr, dass es durch sein eigenes
Gewicht oder durch das Gewicht der Kolonie zusammenbricht, da auch sie dadurch
einen massiven Schaden erleiden würden. Sie sind gute Statiker! Normalerweise
bricht oder fällt das schon angegriffene Holz durch Einwirkung von aussen
zusammen. Um Luftzufuhr (die die dünne Haut der Insekten vertrocknen würde), das
Eindringen von Licht und Feinden zu vermeiden (Ameisen, andere benachbarte
Termiten, etc.) sowie um optimale Bedingungen von Feuchtigkeit und Temperatur der
Kolonie aufrechtzuerhalten, versiegeln die Termiten die von ihnen benutzten
Bereiche völlig gegen die Aussenwelt.
In der Tat hat sich gezeigt, dass die Luftfeuchtigkeit in den geschlossenen
Galerien den Sättigungspunkt erreichen kann. Die bevorzugte Feuchtigkeit und
Temperatur, welche Einflussfaktoren auf die Aktivität des Hauptteils der Termiten
sind, begünstigen die Entwicklung von Fäulnis und anderen Pilzen im Holz. Über
die im Inneren vorherrschenden Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen hinaus
verschaffen die von ihnen angelegten Galerien Raum für das Wachstum von
Pilzmyzelien und erlauben auch die Entwicklung von Fruchtkörpern. Somit kann die
Zerstörung des Holzes durch Kollektivarbeit von Fäulnis und Termiten verursacht
sein, wobei sich die holzzerstörenden Pilze weiterentwickeln können, auch wenn
die Termitenkolonie längst verschwunden ist.
Im Fall, dass die Termiten in die Aussenwelt treten müssen, errichten sie
"Lehmkanäle". Oft führen diese Wege ins Nirgendwo.
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| Ein Fries aus lackiertem
Tannenholz. Er ist ausgehöhlt, aber die Lackschicht ist noch vorhanden. Sie
verhindert zwar die Luftzufuhr von aussen, allerdings wird sie von Licht
duchdrungen, was die Tiere wohl erdulden. Foto: Óscar G. Prieto. |
Lehmkanäle, die sich im
Nirgendwo verlaufen im unteren Teil eines Balkens aus Kastanienholz. Er ist
nicht aus Afrika, sondern gehört zu einer Kirche mitten im Herzen der
spanischen kantabrischen Küste. Im Grunde sind es Kanäle der Suche nach neuen
Nahrungsquellen. Foto: Óscar G. Prieto. |
Jede Termitenkolonie ist eine eigenständige Einheit, die keinen Kontakt mit
anderen Kolonien hat.
Obwohl sie selten für den kompletten Einsturz eines Gebäudes verantwortlich
sind, tragen sie doch erheblich zu seiner Instabilität bei.
Zwar gibt es diesbezüglich keine eindeutigen Dokumentationen, aber meine
Erfahrung bei Inspektionen in Altbauten zeigt, dass es immer einen "Auslöser"
gibt, der dazu führt, dass eine Termitenkolonie ein Holzelement angreift und sich
von diesem weiter auf andere ausbreitet. Auslöser können Feuchtigkeitseinträge in
Balkenstützen, Regenwasserlecks, undichte Stellen der Iinstallationen in Bädern,
Feuchtigkeitseinträge durch die Fassade, etc. sein, also fast immer Schäden mit
Fäulnisanzeichen.
Daher die Fragen, "warum greifen sie das eine Gebäude, aber nicht das
nebenstehende an", "warum greifen sie eine Etage, aber nicht drüber- oder
drunterliegende an?". Meiner Erfahrung nach tritt der Auslöser immer zusammen mit
Feuchtigkeit auf, bzw. auch mit Indizien für Fäulnispilze. Sobald der Auslöser
seine Wirkung entfaltet, können sich die Insekten durch das ganze Bauwerk bewegen
und wählen die Elemente und Holzteile aus, die sie angreifen wollen.
Wie man die Erdtermiten bekämpft
Um die Erdtermiten zu bekämpfen, ist es notwendig, alles zuvor genannte zu
berücksichtigen:
- Es handelt sich um eine große Anzahl von Tieren, die einen relativ
ausgedehnten Bereich befallen. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass mit der
Beseitigung von ein, zwei, drei....oder hundert Termiten, längst nicht der Kern
beseitigt wird (ähnlich eines Angriffs von Ameisen auf unsere Zuckerdose der
Küche).
- Ihr Nest liegt unterirdisch, ist also mit fast absoluter Sicherheit nicht
einsehbar und weit vom Fundort ihrer Aktivität entfernt. Daher würde ein
Trennschnitt durch ein einzelnes Element auch nur dieses eine schützen. Um
einen Befall auszurotten, ist es notwendig bis zum Kern der Kolonie
vorzudringen, ansonsten würde man nur eine Verlagerung der Kolonie von einem
Bereich in einen anderen erreichen.
- Dies ist daher ein generelles Problem, da man sie zwar z.B. in der zweiten
Etage eines Gebäudes beseitigt, sie aber tatsächlich in die erste Etage oder
ins Nachbargebäude verlagert.
- Ein angegriffenes Holzelement zu ersetzen, ohne weitere angemessene
Schutzmaßnahmen, hätte nur zur Folge, dass die Tätigkeit der Kolonie
reaktiviert wird, da man ihr neue Nahrung liefert.
- Da es sich um Angriffe auf das Holzinnere handelt, haben oberflächliche
Holzschutzmaßnahmen keinerlei Wirkung auf die Zerstörung des Inneren.
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Übersicht zu vorbeugenden Maßnahmen und
Bekämpfungsmittel gegen Erdtermiten
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Vorbeugung
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verschiedene Bauweisen mit
Barriere zum Baugrund |
bei Befall Bekämpfung
bzw. zur
Vorbeugung
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verschiedene chemische Wirkstoffe |
-
baulich-
konstruktiv
-
Material-
wahl
-
Material-
mofizierung
(Die Vorbeugung hat ihren Schwerpunkt in der Barriere gegen das
Erdreich, von wo aus die Angriffe der Erdtermiten nur zu erwarten sind. In
den Baukulturen kommt daher der Gründung eine besondere Bedeutung zu. Z.B.
gab es die Gründung über bzw. im Wasser, auf Felsen oder Grobkies.
|
konstruktiver Holzschutz
vorbeugender Schutz bei Planung der Konstruktion
Holzartenwahl
resistente Kernholzarten
Bevorzugung mineralischer Baustoffe
Barrieren
gegen das Eindringen der Termiten in die
Konstruktion
1. Baustoffe als Barrieren
Grobkiesschichten als Unterbau, Kunsttoffbahnen, Kunststoffflansche
(Rohre), Stahlgewebe, Metallbleche, Silikatstoffe, Natrium-Silikat
(Holzversteinerung, Sintered glass), etc.
2. Chemische Miittel
-Chlorpyrifos,
-Bifenthrin,
-Premise®, etc.
|
-
Insektizide
-
Kontaktgifte
-
Frassgifte
-
Entwicklungs-
hemmer
-
Köderverfahren
(Das Köderverfahren ist heute der Goldstandard und die wohl sicherste
Methode einen Erdtermitenstaat auszulöschen. An eine attraktive
Futterstelle gelockt, verteilen die Arbeitertiere das ihnen dort
angebotene, nur mit geringen Mengen Biozid versetzte Futter und verfüttern
es an alle anderen Tiere in der Termitenkolonie. Es bedarf jedoch einer
fortlaufenden Kontrolle.)
|
Holzschutzmittel
-CB-Salze (Kupfer/Bor) in besonderen Fällen auch CA-Salze
(Kupfer/Arsen)
-Borate
-Light organic solvent preservative (LOSP)
-Pyrothroide:
Permethrin,
Cipermethrin,
Deltamethrin, etc.
Nestzerstörung
-Wachstumsregler;
Hydramethylnon,
Imidacloprid,
Chlorfluazuron,
Diflubenzuron, etc.
-Mirex
-Triflumuron (Puder)
-Borate, etc.
|
| Die hier aufgeführten chemischen Wirkstoffe
sind nur beispielhaft. Für einige bestehen in einigen Ländern, z.B. in
Deutschland Anwendungsverbote. In Europa wird bald eine Angleichung erfolgen.
Bis dahin sind bei jeder Anwendung die nationalen Bestimmungen verbindlich
und zu beachten. |
In der folgenden Tabelle einige Beispiele aus der Praxis, wie eine Vorbeugung
gegen Termiten oder deren zu Bekämpfung möglich sind:
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Praktische Maßnahmen
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Beispiele im Bild
|
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Einsatz von Holz mit ausreichend natürlicher
Dauerhaftigkeit
. Es ist erwiesen, dass bestimmte Holzarten für diese
Insekten nicht attraktiv sind, entweder weil sie schädliche Substanzen
enthalten, oder weil sie keine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Der
Einsatz solcher Holzarten wird als lokale vorbeugende Holzschutzmaßnahme
angesehen, die die Kolonie nicht bekämpfen. Im Bild ein Deckenbalken aus
Edelkastanie mit zerstörtem Splintholzanteil aber intakt gebliebenem
Kernholz. Die Querbalken bestehen aus widerstandsfähigem und für Termiten
wenig attraktiven Irokoholz (roter Pfeil). Foto: Óscar G. Prieto.
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Schon die
Ausbildung der Holzbaukonstruktion
kann eine Vorbeugung gegen Termitenbefall bewirken. Z.B. durch Vermeiden von
Erdkontakten kann eine unnötige und schadträchtige Befeuchtung des Holzes
vermieden werden. Im Bild eine Holzpfeilerstütze, deren konstruktive
Ausbildung die Gefährdung minimiert. Die Belastungen bzw. Bedingungen der
Gebrauchklasse 4.2-T wurden auf die der Gebrauchklasse 3.1-T reduziert, mit
einem niedrigen Risiko für Termitenbefall. Dies ist eine Methode des
konstruktiv (baulichen) vorbeugenden Holzschutzes, es ist keine Bekämpfung.
Foto: Óscar G. Prieto.
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Barrieren aus rostfreien Stahlmaschen
, Material
mit hohem Korrosionswiderstand, das feinmaschig genug ist, um das Eindringen
der Termiten zu verhindern (0,66 x 0,45 mm). Die Stahlmaschen werden in nicht
sichtbaren Holzbereichen mit Risiko eines Termitenbefalls eingesetzt, wie im
Bild zum Beispiel in nicht sichtbare Teile des Schwellenholzes der
Balkenstützen. Diese Methode kann bei Neubauten oder Restaurationen
angewendet werden. Es ist eine lokale vorbeugende Holzschutzmethode, die die
Kolonie nicht angreift. Kommerzieller Name: TermimMesh®. Foto: Óscar G.
Prieto.
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Polyethylen niedriger Dichte mit einem Film von
Insektiziden
, genutzt in neuen Gebäuden während der Konstruktion der
Grundmauern. Die Methode ist in der Restauration nur schwerlich anzuwendbar,
lediglich wenn man zum untersten Teil des Gebäudes gelangt. Bei dieser
Methode wird eine Barriere aufgebaut, die einen lokalen vorbeugenden
Holzschutz darstellt (für das ganze Gebäude), aber die Kolonie nicht
bekämpft. Im Bild, Anbringung der Polyethylen-Lamelle in einem neuen
Wohngebäude in Frankreich. Produktname: Termifilm. Foto:
http://www.pamther.com/pages/termifilm.html
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Chemische Bekämpfung und/oder Vorbeugung durch
Injektion
, mittels eines Termizid-Produktes, das tief in das Innere des
Holzes und/oder der Mauern eingebracht wird. In das Holz werden versetzt
kleine Löcher gebohrt und das flüssige Produkt mit einer Druckpistole über
Packer mit Rückschlagventilen injiziert. Diese Methode dient als vorbeugender
und/oder bekämpfender Schutz von Bauteilen, die behandelt werden. Die Kolonie
wird dabei allerdings nicht beseitigt. Foto: Óscar G. Prieto.
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Chemische Barrieren am Fußboden und Mauerwerk
,
wobei ein Termizid-Produkt direkt auf dem Boden angewendet wird. Es wird im
ganzen Umfang des Gebäudes bis zu seinen Mauern aufgetragen, wobei die Erde
an der Mauer mit einem Insektizid imprägniert wird. Der Termitenbau trifft -
wenn er versucht, zum Gebäude zu gelangen - auf diese Barriere aus
Insektiziden und ist nicht fähig, sie zu überwinden. Das Insektizid wird mit
Druck durch die Rückschlag-Klappen z.B. von Kunststoffpackern eingebracht.
Üblicherweise ist der Verkauf des Insektizids per Gesetz auf zugelassene und
spezialisierte Firmen beschränkt, um umweltsichere und wirksame Ergebnisse
sicherzustellen. Diese Technik wird selten angewendet, da sie eine
eingeschränkte Wirksamkeit hat und zudem die Schwierigkeit aufweist, die
Barriere kontinuierlich aufrechtzuerhalten (praktisch unmöglich in der
Realität). Darüber hinaus kann es zu ernsten Risiken für die Umwelt und zur
Verunreinigung des Grundwassers kommen. Das rechte Bild zeigt den Übergang
Bodenauftrag zum aufgehenden Wandmauerwerk, rechts ein grauer
Injektionspacker. Foto: Óscar G. Prieto.
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Köderystem für Drinnen und Draußen
, mittels
Aufstellen von Fallen oder Köder aus Mischzellulose mit Verdauungsgiften. Die
giftige Substanz, die sich während der Verdauung entfaltet und eine langsame
Wirkung zeigt, wird aufgrund der Weitergabe von Nahrung durch das Phänomen
Trophallaxis auf die gesamte Kolonie übertragen. Bei alternativer Verwendung
von sogenannten Häutungshemmern schränkt der aktive Wirkstoff die Synthese
von Chitin ein und verhindert somit, dass die Insekten sich vollständig
entwickeln können. Auf den Bildern rechts sieht man links einen Köder für
Draußen, die im Boden eingegraben wird und rechts einen an der Oberfläche
angebrachten Köder für Drinnen. Foto: Óscar G
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Köder gegen Hamburger
Erdtermiten
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In Hamburg werden Giftstoffe, mit sehr
geringen Wirkstoffmengen, in hierzu entwicklten Ködern plaziert. Die Arbeiter
verbreiten dieses Gift über ihre Fütterung im ganzen Staat. Es konnte ein
Erfolg bei der Dezimierung der Termiten erzielt werden. Laut Prof. Hertel von
der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) wurde in kürzester
Zeiti eine Mortalitätsrate von 95 % erreicht. Der Befall mit Termiten konnnte
so effektiv reduziert werden. Ein Erfolg sind die neuen Giftsubstanzen, die
in extrem geringen Dosen hochwirksam sind. "Wir konnten mit nahezu
homöopathischen Dosen arbeiten, die die Termiten mit ihrem guten Geruchssinn
nicht mehr haben erkennen können." Hertel setzt auf eine Papprollen mit
vergiftetem Holzkern.Qu.:
3sat
und
scinexx
Wissenschaftsmagazin; Bildquelle: 3sat.
Sehen Sie dazu den
Film vom
3sat
.
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| Links oben: Termitenvorkommen befinden sich nahe der
Fernheizleitungen, in ihrem Überlebensraum. Oben rechts und links unten:
Bedenklich, diese Ertdermiten fressen auch Kabelisolierungen an. Rechts
unten: der in Hamburg verwendete Köder. |
Fragen zu Erdtermiten
1.Wie kann ich feststellen, dass in meinem Haus Termiten sind?
Dafür ist es notwendig, nach Anzeichen von Schäden zu suchen. Dies können
Wellungen in der Farbe oder Holzbeschichtungen (Türrahmen etc), Entfärbungen im
Holz, das Auftreten von lehmigen Kanälen in Bereichen, in denen Holzteile
verbunden sind, Steckdosen, etc sein. Wenn man Reste von Insekten oder
geflügelten Tieren findet.
2.Was soll ich machen, wenn ich Termiten finde?
Als Erstes einen Sachverständigen hinzuziehen, um sicherzustellen, dass es
sich tatsächlich um Termiten handelt und ein aktiver Befall (Lebendbefall)
vorliegt. Wenn die Wohnung nicht isoliert ist, haben andere Nachbarn mit fast
absoluter Sicherheit das gleiche Problem. Es ist wichtig, sie darüber in
Kenntnis zu setzen. Der nächste Schritt ist, eine auf die Bekämpfung dieser
Insektenart spezialisierte Firma zu kontaktieren und eine Behandlung mit Ködern
(oder ein kombiniertes Massnahmen) vorzunehmen, um die Kolonie auszurotten.
3.Wenn ich das betroffene Holz ersetze, löst das das Problem?
Die Kolonie befindet sich unterirdisch und weit entfernt von dem betroffenen
Holzteil, daher werden sich die Termiten zu anderen Holzteilen, die nicht
angegriffen worden sind, bewegen oder sie werden das neu eingesetzte Element
angreifen Wenn es notwendig ist, es zu ersetzen, versichern Sie sich, dass Sie
eine Kernholzart mit ausreichend natürlicher Dauerhaftigkeit oder in Verbindung
mit einer angemessenen Behandlung einsetzen. Übrigens, das Splintholz aller
Holzarten gilt als nicht resistent.
4.Wo leben die Termiten?
Die Trockenholztermiten leben normalerweise in dem Holzteil, was angegriffen
wird. Das Nest bzw. der Kern der Kolonie der Erdtermiten hingegen befindet sich
in einem unterirdischen Bereich, weit weg sogar vom Auffindungsort, an den sie
nur kommen, um sich zu ernähren.
5.Wie ist die Kolonie der Erdtermiten aufgebaut?
Sie wird aus verschiedenen Kasten gebildet. Es existieren drei Kasten:
Arbeiterinnen, Soldaten und Geschlechtstiere. Die ursprünglichen
Geschlechtstiere (oder geflügelte Termiten) entwicklen sich aus den Nymphen,
während die sekundären Geschlechtstiere (oder Neotecnicos) entweder von einer
Nymphe oder von einer Arbeiterin abstammen.
6.Was ist ein Schwarm oder Hochzeitflug?
Darunter versteht man den Ausflug massenhaft geflügelter Termiten, die sich
in der Umgebung verstreuen und versuchen neue Kolonien zu gründen.
7.Wann finden die Schwärme oder Hochzeitflüge statt?
Die Kolonie, in Abhängigkeit von ihrer Größe und ihrem allgemeinen Zustand,
sendet eine Gruppe geflügelter Tiere aus, um eine neue Kolonie zu gründen,
sobald der richtige Moment gekommen ist und Lichtintensität, Temperatur und
Feuchtigkeit optimal sind. Normalerweise fällt dieser Zeitpunkt mit dem
Frühling zusammen, zumindest im Mittelmeerraum.
8.Wie kann man unterscheiden, ob es sich um Termiten oder Ameisen
handelt?
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- Die Vorderflügel der Ameisen sind länger als die Hinterflügel. Die
der Termiten haben vorne und hinten ähnliche große.
- Die Ameisen haben eine gut ausgeprägte und schmale Taille
(Wespentaille). Die Taille der Termiten dagegen ist wenig ausgeprägt und
gleich breit wie der restliche Körper.
- Die Antennen der Ameisen sind gebogen. Die der Termiten sind hingegen
gerade.
- Termiten haben "gelbe Gummistiefel".
Links: eine geflügelte Ameise. Rechts: eine Termite.
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| Bildquelle: Dr. Rudy Scheffrahn /
University of Florida. |
9. Können sie andere Materialien außer Holz fressen?
Alles, was Zellstoff oder für die Insekten verwertbare "Zucker" enthält,
läuft Gefahr von ihnen angegriffen zu werden, z.B. Obst, Papier, Holzwerkstoffe
etc. Auch konnte gezeigt werden, dass sie fähig sind, Material wie Plastik oder
Plastikholztafeln zu durchdringen, wenn es für ihr Fortkommen nötig ist. Im
Fall von Papier und Karton sowie MDF ist es besonders auffällig. Bei der
Papierverarbeitung versucht man Zellulose von Lignine oder Hemizellulose zu
trennen, daher ist es so attraktiv für Erdtermiten. Bei der industriellen
Verarbeitung von MDF wird sowohl Zellulose, Hemizellulose wie auch Lignine
genutzt. Allerdings werden für ihre Herstellung Bäume mit einem hohen
Splintholzanteil (Jungholz, Äste, etc) und Zellulose, was wiederum attrativ für
die Termiten ist, ohne sich am Bindemittel zu stören.
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10. Sind sie während des ganzen Jahres aktiv?
Ja. Allerdings stimmt es auch, dass sie während der Wintermonate ihre
Aktivität herunterfahren.
11. Können sie Kernholzholz fressen?
Termiten sind sehr wählerische Insekten und unter sonst gleichen Bedingungen
suchen sie für den Befall das Holz, nach Nährstoffmenge, ihre Zugänglichkeit,
etc. aus. Wenn es notwendig ist, können sie auch das Kernholz vernichten,
manchmal nur um es zu durchdringen und andere Nährstoffen finden. Aber die
Wahrscheinlichkeit, dass Kernholz befallen wird, ist jedoch sehr niedrig, es
sei denn, ein Angriff holzzerstörender Pilze käme dazu.
12. Welche Behandlung ist die angemessenste?
Es gibt zwei Wege:
- durch Bekämpfen das Kolonienest auszurotten und
- durch begrenzte Maßnahmen Holzbauteile vorbeugend gegen Termitenmbefall
zu schützen.
Beide zu kombinieren kann das Beste sein. Da die Kolonie im Allgemeinen weit
von ihrem Lebensmittelpunkt entfernt ist, ist das Beste eine Behandlung mit
Ködern, die so ausgerüstet sind, einen giftigen Wirkstoff auf die ganze Kolonie
zu übertragen (oder deren Aktivität verkleinert). Diese Behandlung mit Ködern
ist um so effektiver, je größer die Oberfläche ist, auf der sie ausgelegt
werden (das ganze Gebäude, der Häuserblock, das Stadtviertel, die Stadt,
...).
13. Wie lange dauert eine Behandlung mit Ködern?
Die Köder werden ausgelegt, entweder eingegraben oder im Fußboden oder in
die Wandoberfläche eingemauert. Von dem Moment an, in dem die Kolonie damit in
Kontakt kommt, dauert es meist um die drei Jahre bis sie verschwindet. Die
Köder müssen ungefähr alle drei Monate erneuert werden (je nach Verbrauch).
Nach ihrem Verschwinden schließt sich eine Kontrollperiode über 5 Jahre an, die
mit einem "Monitoring", einer Langzeitkontrolle gleichzusetzen ist.
References;
- Kutnik, M., Paulmier, I., Simon F., Jequel, M. (2009) ?Modified Wood Versus
Termite Attacks: What Should Be Improved in Assessment Methodology ?? European
Conference on Wood Modification 27th 29th April.
- Clément, J.-L., Bagnères, A.-G., Uva, P., Wilfert, L., Quintana, A., Reinhard,
J. and Dronnet, S. (2001). Biosystematics of Reticulitermes termites in Europe:
morphological, chemical and molecular data. Insectes Sociaux, 48, 202-215.
- Buchli, H. (1958) L'origine des castes et les potentialités ontogéniques des
termites Européens du genre Reticulitermes Holmgren. Annales Science Naturelle,
Zoologique 20, 261-429
(Überarbeitung am 30.11.2009)
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